Donnerstag, 11. März 2010 / 11:42 Uhr
Moskau - In der mit Millionen aus dem Öl- und Gasgeschäft geförderten russischen Fußball-Eliteklasse beginnt am 12. März die Jagd auf Doppelmeister Rubin Kasan.
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Vor allem die etablierten Clubs aus Moskau und St. Petersburg wollen den dritten Titel des Provinzvereins von der Wolga nach 2008 und 2009 verhindern. Auswärtsspiele in Sibirien und heiße Derbys im Pulverfass Kaukasus - in der Premier Liga ist auch in der ersten Saison nach dem Abschied des Niederländers Guus Hiddink als Nationaltrainer Musik drin.
Für Spannung sogar abseits des Platzes dürften die vier Teams aus der Krisenregion Nordkaukasus sorgen, die sich mittlerweile in der ersten Liga tummeln. Wegen der politischen Instabilität in der Region und den häufigen Anschlägen islamistischer Rebellen werden die Reisen der Favoriten dorthin sicher kein normaler Betriebsausflug. Die Clubs wie Terek Grosny aus der noch immer von Bürgerkriegen zerrütteten Teilrepublik Tschetschenien oder Aufsteiger Anschi Machatschkala (Dagestan) werden jedoch vor allem gegen den Abstieg spielen.
Den prominentesten Neuzugang leistete sich Spitzenclub Dynamo Moskau, der den früheren Bundesliga-Profi Andrej Woronin (Mainz, Köln, Leverkusen, Hertha) vom FC Liverpool nach Russland lockte. Auch Zenit St. Petersburg mit dem Ungarn Szabolcs Huszti (Hannover) und dem Portugiesen Fernando Meira (Stuttgart) setzt auf Legionäre, die sich in Deutschland bewährt haben. Hingegen verlieh Rekordmeister Spartak Moskau den Ex-DFB-Auswahlspieler Malik Fathi an Mainz 05.
Am tiefsten in die Tasche griff einmal mehr das vom Energiemonopolisten Gazprom unterstützte Zenit, das den russischen Nationalstürmer Alexander Kerschakow von Dynamo Moskau loseiste und den Italiener Luciano Spalletti (AS Rom) als Trainer verpflichtete. Auch Kremlchef Dmitri Medwedew würde sich als bekennender Zenit-Fan über einen Triumph des UEFA-Pokalsiegers von 2008 freuen. Traditionell spielt die Liga von März bis November.
Titelverteidiger Rubin agierte hingegen zurückhaltend auf dem Transfermarkt. Bekannteste Neuverpflichtung ist der türkische Nationalstürmer Fatih Tekke, der von Zenit kam. Ansonsten vertraut Trainer Kurban Berdjew - Markenzeichen: Baseballmütze und giftgrüne Trainingsjacke - seiner eingespielten Meistertruppe. Mit Erfolg: Kasan krallte sich mit einem 1:0 gegen Pokalsieger ZSKA vor wenigen Tagen den Supercup und damit den ersten Titel der Saison. Ein Opfer der Finanzpolitik, die viele Clubs allein am Tropf von Sponsoren hängen lässt, wurde der letztjährige Sechstplatzierte FK Moskau. Der Traditionsverein, früher international unter dem Namen Torpedo erfolgreich, musste sich wegen gekappter Geldzusagen zurückziehen.
Trotz eines kurzen Booms nach der erfolgreichen EM 2008 ist das Interesse an der heimischen Liga gering. Selbst bei den zahlreichen Moskauer Stadtderbys - vier der 16 Teams kommen aus der Hauptstadt - bleiben meist viele Plätze leer. Fußball ist hinter Eishockey weiter nur die Sportart Nummer zwei in Russland. Daran änderte auch das frühe Aus der Kufen-Cracks bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver nichts.
Anders als etwa in Deutschland sind kaum Frauen und Kinder in den Fußballstadien zu sehen. Weite Reisen - die Erstligisten kommen aus so entfernten Gegenden wie der Ostsee und Sibirien -, hohe Eintrittspreise, oft marode Arenen sowie die verbreitete Gewalt schrecken die Zuschauer vom Spielbesuch ab. Viele Fans hoffen, dass Russland den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2018 oder 2022 erhält und so die notwendige Modernisierung vorangetrieben wird.
International setzen die Fans ihre Hoffnung auf die beiden verbliebenen Europapokal-Vertreter, Rubin - in der Europa League Gegner von Bundesligist VfL Wolfsburg - und ZSKA, das in der Champions League gegen den FC Sevilla spielt. Das Aus in der Qualifikation für die WM in Südafrika gegen den Fußballzwerg Slowenien im entscheidenden Relegationsspiel hat das Riesenreich noch immer nicht verdaut. Als Topfavorit auf die Nachfolge Hiddinks, der nun die türkische Nationalelf übernimmt, gilt der Russe Waleri Gassajew vom ukrainischen Topclub Dynamo Kiew.
dpa
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