Freitag, 12. März 2010 / 12:45 Uhr
Gelsenkirchen - In seiner Brust schlagen zwei Herzen, doch Schalkes Jungstar Joel Matip hat mit weitreichenden Entscheidungen die Weichen für sein Fußball-Leben gestellt.
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In der vergangenen Woche unterzeichnete das 18 Jahre alte Talent seinen ersten Profivertrag beim FC Schalke 04 bis 2013, einen Tag später debütierte er in der A- Nationalmannschaft Kameruns beim Testspiel in Monaco gegen Italien. Und als Zugabe erzielte Matip beim 4:1 in Frankfurt die 1:0-Führung. «Das war die Krönung einer unvergesslichen Woche», schwärmte er nach seinem dritten Tor im 13. Bundesligaspiel.
Der in Bochum geborene Matip, der die deutsche und die kamerunische Staatsbürgerschaft besitzt, legte im vergangenen Halbjahr unter Trainer Felix Magath eine beeindruckende Blitzkarriere hin. Eigentlich für die Schalker U 19 vorgesehen, zauberte Magath ihn ausgerechnet im Spiel bei Bayern München am 7. November 2009 aus dem Hut. Dort feierte der 1,93 Meter lange Schlaks mit seinem Kopfballtor zum 1:1-Endstand ein Traumdebüt. «Einige Stunden vor dem Anpfiff hat mich der Trainer im Hotelzimmer gefragt, ob ich mir zutraue, von Anfang an im defensiven Mittelfeld zu spielen», erinnert sich Matip. Und daran, «dass ich dann ziemlich nervös wurde».
Eine Einladung von Kameruns Nationalcoach Paul Le Guen für den Afrika-Cup im Januar schlug Matip auf Anraten Magaths noch aus. Auch, weil er als Schüler der Gesamtschule Berger Feld schon in den Vorbereitungen für das Abitur in diesem Frühjahr steckte und einige Bundesliga-Spiele verpasst hätte. «Der Zeitpunkt war ungünstig», sagte Matip zum schwierigen Spagat zwischen Klausuren und Fußballplatz. Jetzt aber gab er dem Werben des Heimatlandes seines Vaters Jean nach, obwohl ihm gleichzeitig eine Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für einen U 19-Lehrgang vorlag.
Matip gibt zu, dass er lange hin- und hergerissen war. «Ich habe mir den Entschluss nicht leicht gemacht, sondern gründlich darüber nachgedacht. Letztendlich war es ein Bauchgefühl, das den Ausschlag gegeben hat», sagte er, und fügte entschlossen hinzu. «Auch wenn ich mich nicht festgespielt habe, weil es kein Pflichtspiel war, ist die Entscheidung endgültig.» Die WM-Teilnahme in Südafrika lockt. «Ich hoffe, dass ich dabei bin. Aber jetzt geht es erstmal um Schalke. Wir haben das Potenzial, dieses Jahr noch einiges zu schaffen.»
Es spricht für das Selbstbewusstsein des jungen Mannes, dass er sich mit der Entscheidung für Kamerun Magath widersetzte. Denn der Coach hätte es lieber gesehen, wenn sein Schützling sich die Option für eine DFB-Karriere offen gehalten hätte. «Meiner Meinung nach läuft Joel Gefahr, dass er sich nach seiner ersten Bundesliga-Saison und der anschließenden WM auspowert. Daher habe ich ihm geraten, nicht für Kamerun zu spielen, sondern sich mit der Entscheidung, für welches Land er spielen will, noch Zeit zu lassen. Schließlich ist er erst 18 Jahre alt und noch in der Entwicklung», sagte Magath. Immerhin gelang es ihm, das Talent langfristig an den Club zu binden. Denn nicht nur körperlich ragt Matip aus dem Schalker Talentschuppen heraus. Magath: «Seine Entwicklung ist schon sehr überraschend.»
dpa
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