Sonntag, 14. März 2010 / 10:17 Uhr
Berlin - Der gefühlte Abstieg trieb Michael Preetz Tränen in die Augen, doch noch viel größer war die Wut über die Chaoten aus dem Hertha-Block. 100 bis 150 gewaltbereite Fans sorgten im Berliner Olympiastadion für Angst und Schrecken; die Spieler flüchteten in die Katakomben.
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«Das hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen, so darf sich das nicht entladen. Wir werden mit aller Härte dagegen vorgehen», erklärte der sichtlich geschockte Manager nach dem bitteren 1:2 seines Clubs gegen den 1. FC Nürnberg am 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga - einem schwarzen Tag in der Hertha-Historie.
Die Berliner Verteidigung kann den Ausgleichstreffer durch die Nürnberger nicht verhindern.
Preetz hat in 14 Jahren Hertha BSC alles hautnah erlebt, erst als Profi, dann als Funktionär: die Zweitliga-Tristesse bis 1997, den Aufstieg, das Champions-League-Abenteuer, die Fast-Meisterschaft in der Vorsaison, den Absturz in dieser Spielzeit - doch die Ereignisse rund um die 17. Saisonpleite berührten den 42 Jahre alten einstigen Bundesliga-Torschützenkönig so heftig wie nichts zuvor: «Das war nicht Herthas Abstieg, aber meine bitterste Stunde im Verein.»
Preetz steht schon im ersten Jahr als «Macher» des Hauptstadtclubs vor einem Scherbenhaufen: Acht Punkte Rückstand zum Relegationsplatz, sogar neun zum rettenden 15. Rang lassen die Erstliga-Hoffnungen schon acht Spieltage vor Saisonende gegen Null gehen. Nach dem FCN- Siegtor durch Angelos Charisteas (90.+1) drehten Hertha-Chaoten durch, stürmten mit Latten-, Fahnen- und Metallstangen den Stadion- Innenraum, jagten Richtung Spieler-Kabine, zerschlugen Werbebanden und die Trainerbank. «Es ist eine geringe Anzahl von Gewaltbereiten, die diese Bühne nutzen. Dagegen muss man mit aller Härte vorgegangen werden», sagte Coach Friedhelm Funkel.
Die Rettungsmission des Liga-Urgesteins scheint nach nun 217 Tagen ohne Heimsieg gescheitert. Funkels Team verspielte nach einer «sehr, sehr guten ersten Halbzeit» und einem halben Dutzend vergebener Top- Torchancen vor der Saison-Rekordkulisse von 57 761 Zuschauern im Olympiastadion noch die 1:0-Führung, für die der Grieche Theofanis Gekas gesorgt hatte (36.). Die viel gescholtenen Hertha-Profis rannten, kämpften und stürmten 45 Minuten gegen den «Club» derart vehement, dass sich viele fragten, warum die selben Spieler zuvor in so vielen Partien agiert hatten wie Amateure.
Doch FCN-Torjäger Albert Bunjaku mit seinem zwölften Saisontor (61.) und der eingewechselte Charisteas in der Nachspielzeit zerstörten alle Hoffnungen auf eine Wende für Hertha. Eine Trainer- Diskussion aber lässt Präsident Werner Gegenbauer derzeit noch nicht zu. Erst kürzlich habe man Funkel und Preetz das Vertrauen ausgesprochen, «da werden wir jetzt keine neue Diskussion eröffnen», betonte Gegenbauer trotz der Krisen-Bilanz von nur 15 Punkten.
Nürnberg dagegen sieht mit 24 Zählern als Tabellen-15. nun sogar nach oben. «Köln und Bochum liegen wieder in Reichweite», erklärte FCN-Trainer Dieter Hecking, warnte allerdings zugleich: «Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit in Berlin, müssen wir aufpassen.» Einzig und allein Torhüter Raphael Schäfer, der in seinem 200. Pflichtspiel für den «Club» mit Glanzparaden gleich in Serie die Herthaner zur Verzweiflung trieb, hatte Nürnberg im Spiel gehalten.
Den Frust ließen alle Verantwortlichen aber als Entschuldigung für die Randale nicht zu. Das «mühsam aufgebaute Image» habe durch die durchgedrehten «Fans» zumindest wieder Kratzer bekommen, bekannte Gegenbauer. «Das ist ärgerlich für Hertha BSC und den ganzen Fußball», sagte der Clubchef und kündigte eine Aufarbeitung an. Zunächst hatte sich eine rund 80-köpfige Ordner-Gruppe vor den Chaoten zurückgezogen, um deeskalierend zu wirken. Die Polizisten griffen erst später ein. Die zum Teil vermummten Randalierer verschwanden zurück in den Fanblock, 30 wurden festgenommen. Später meldete die Polizei vier leicht verletzte Beamte.
dpa
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