Mittwoch, 24. November 2004 / 11:42 Uhr
Bremen - Im griechischen EM-Märchen spielte Angelos Charisteas die Rolle des siegreichen Helden, im Bremer Alltag ist er ein Komparse mit Stammplatz auf der Bank.
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Der Grieche erlebte in der Nacht des 4. Juli im Lissabonner Estadio da Luz den schönsten Tag seiner Fußball-Karriere, als er das entscheidende Tor im Finale der Europameisterschaft gegen Portugal erzielte. Aber längst hat ihn die Realität eingeholt. Als Ersatzmann beim deutschen Meister Werder Bremen wirkt er resigniert und hofft auf einen vorzeitigen Wechsel.
Angelos Charisteas (r) stürmt auf den Ball fixiert.
Glücklich und angrifflustig war Charisteas vom griechischen Siegeszug in Portugal und den anschließenden Feierlichkeiten in seiner Heimat an die Weser zurückgekehrt. «Ich will einen Stammplatz», hatte der Stürmer angekündigt: «Eine Saison wie die vergangene soll es nicht wieder geben.» Vor allem auf Grund des Wechsels von Goalgetter Ailton zu Schalke 04 rechnete sich der 24-Jährige gute Chancen auf einen Stammplatz aus.
Tatsächlich aber kommt der schlanke Stürmer über die Rolle des Jokers nicht hinaus. Während der 2002 aus Saloniki gekommene Angreifer daheim die unumstrittene Nummer eins ist, bleibt er in Bremen zweite Wahl. Beim ersten Anlauf in die Startelf fehlte ihm das Glück, als er beim Champions-League-Spiel in Anderlecht wegen einer Verletzung passen musste und der für ihn eingesetzte Ivan Klasnic beide Treffer erzielte. Bei der zweiten Chance, als Trainer Thomas Schaaf ihn im Pokalspiel gegen Trier von Beginn an einsetzte, scheiterte Charisteas an sich selbst.
Ohne Leidenschaft lief der griechische Stürmer über den Platz und konnte sich gegen die Zweitliga-Verteidiger nicht durchsetzen. Die These von den «vier gleichwertigen Stürmern», die offiziell immer noch von den Werder-Verantwortlichen gepflegt wird, hatte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt als nett gemeinte Beschönigung erwiesen.
Statt Jubel über wichtige Tore gibt es Ärger wegen seiner öffentlich vorgetragenen Wechselabsichten. Immer häufiger beklagt sich der bis 2006 an Werder gebundene Charisteas über sein Leben als Bremer Edelreservist. Zuletzt bekräftigte der unzufriedene EM-Held nach seinen beiden Treffern für die griechische Nationalelf beim 3:1 gegen Kasachstan seine Wechselabsicht und sagte: «Ich könnte mir vorstellen, im Ausland zu bleiben, weil es mir dort gefällt.»
Verärgert sind die Verantwortlichen von Werder Bremen zudem über die Rolle des griechischen Nationaltrainers Otto Rehhagel, auch wenn sie das in der Öffentlichkeit so nie formulieren würden. «So geht das nicht weiter», hatte der langjährige Werder-Coach gesagt: «Angelos muss auf Dauer mehr spielen. Er muss seine Situation ändern und eine Mannschaft finden, in der er gesetzt ist - und das schon in der Winterpause.»
Werder lehnte die Forderung ab. «Unsere Haltung hat sich nicht geändert. Wir wollen Angelos behalten und ihn überzeugen, dass Werder Bremen für ihn die richtige Adresse ist», sagte Manager Klaus Allofs. Dennoch scheint ein Wechsel von Charisteas, dem ein von Allofs nicht bestätigtes Angebot von Ajax Amsterdam über fünf Millionen Euro vorliegen soll, nur eine Frage des Zeitpunktes und des Geldes zu sein. Die auf Harmonie bedachten Bremer können sich auf Dauer keinen unzufriedenen und über einen Wechsel redenden Spieler leisten.
dpa
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Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Olaf Thon: In erster Linie stehe ich voll hinter dem Trainer, in zweiter Linie hat er recht.
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