Sonntag, 18. April 2010 / 17:52 Uhr
Potsdam - Die Fußball-Frauen von Turbine Potsdam stehen vor dem nächsten Coup. Die Mannschaft von Alt-Trainer Bernd Schröder setzte sich im Halbfinal-Rückspiel des neu geschaffenen Wettbewerbs gegen den FCR Duisburg nach einem 1:0 (1:0, 0:0) nach Verlängerung mit 3:1 im Elfmeterschießen durch.
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Das Hinspiel hatte Duisburg, amtierender UEFA-Cup-Sieger mit 1:0 für sich entschieden. Zur Heldin wurde die erst 17-jährige Turbine-Torhüterin Anna Felicitas Sarholz, die gleich drei Duisburger Elfmeter hielt. «Das ist einfach geil», jubelte die U-20-Auswahl-Keeperin, die seit sechs Jahren die komplette Nachwuchsschule von Turbine durchläuft.
«Im Elfmeterschießen hat sich unsere schlechte Offensiv-Leistung nahtlos fortgesetzt, deshalb geht der Erfolg von Potsdam in Ordnung», sagte Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg, monierte aber «beleidigende Reaktionen» von Teilen des Publikums. «Was ich mir auf der Trainerbank anhören musste, ging tief unter die Gürtellinie», sagte die Ex-Nationalspielerin und forderte die Potsdamer Verantwortlichen dringend auf, dagegen vorzugehen.
Am 20. Mai im spanischen Getafe kann sich Turbine erstmals in der Geschichte des europäischen Frauen-Fußballs die Krone des Champions-League-Siegers aufsetzen, die mit rund 300 000 Euro honoriert wird. 53 Meister und Vizemeister Europas waren in der Premieren-Saison am Start. «Jetzt wollen wir auch den Pokal, das ist was ganz Großes. Die Sportstadt Potsdam, das Land Brandenburg und der Osten können stolz sein», sagte Trainer Schröder.
Schon der Einzug ins Endspiel im Madrider Vorort bringt Turbine die stolze Summer von rund 200 000 Euro von der Europäischen Fußball-Union UEFA ein. Der Final-Gegner steht noch nicht fest. Die zweite Halbfinal-Partie zwischen Umea IF (Schweden) und Olympique Lyon konnte wegen der Flugbeschränkungen in ganz Europa nicht ausgetragen werden. Gegen Duisburg sorgte die 18-jährige Tabea Kemme zwei Minuten nach ihrer Einwechslung vor 4522 Zuschauern für den Ausgleich des Hinspiel-Resultats. Und im Elfmeterschießen hatte Turbine die überragende junge Torfrau Sarholz. «Sie hat eine enorme Ausstrahlung und schon immer Elfmeter gehalten», sagte Schröder.
Mit dem Erreichen des Endspiels im Stadio Coliseum Alfonso Perez setzt der Potsdamer Verein, der eng mit dem Namen Schröder verbunden ist, seine Erfolgsgeschichte fort. Der 67 Jahre alte Schröder sitzt seit März 1971 auf der Turbine-Trainerbank; gewann schon sechs DDR-Meistertitel mit «seinen» Frauen. Nach der Wende 1989 etablierte er Turbine vor allem dank der eigenen Nachwuchsarbeit zu einer führenden Kraft im deutschen Frauen-Fußball, holte drei nationale Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege und den UEFA-Cup-Titel 2005. Und aktuelle steuert Potsdam mit derzeit acht Punkten Vorsprung in der Bundesliga auf den vierten deutschen Meistertitel zu.
Turbine verdiente sich den Erfolg gegen Duisburg mit einer deutlichen Steigerung nach der Pause, nachdem die Gäste mit einer souveränen Abwehr um Nationalspielerin Linda Bresonik zunächst die Akzente gesetzt hatte. Später musste FCR-Torhüterin Ursula Holl gegen Auswahl-Stürmerin Anja Mittag und Jennifer Zietz mehrmals klären.
dpa
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