Mittwoch, 16. Juni 2010 / 23:06 Uhr
Durban - Trainerfuchs Ottmar Hitzfeld hat Europameister Spanien geschockt und der Schweizer Nationalmannschaft zum WM-Auftakt einen historischen Erfolg beschert. Chile mangelte es beim hochverdienten 1:0 gegen Honduras nur an effektiver Chancenverwertung.
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Südafrikas Fußball-Party droht nach dem 0:3 (0:1) gegen Uruguay das Ende - nach einer schwachen Vorstellung muss die «Bafana Bafana» als erster WM- Gastgeber überhaupt den Vorrunden-K.o. fürchten. Das Team von Carlos Alberto Parreira verlor ausgerechnet am Nationalfeiertag in Pretoria sein zweites Turnierspiel gegen den zweimaligen Weltmeister und fiel auf den letzten Platz in der Gruppe A zurück.
Der überragende Diego Forlan (24./80., Foulelfmeter) und Alvaro Pereira (90.+5) machten mit ihren Toren vor 42 858 Zuschauern im Loftus-Versfeld-Stadion den ersten Endrundensieg der «Urus» seit dem 21. Juni 1990 perfekt und brachte die Südamerikaner auf Achtelfinal- Kurs. Für die Hausherren endete der «Tag der Jugend» zum Gedenken an den blutigen Aufstand in Soweto vor 34 Jahren doppelt bitter: Für sein Foul an Luis Suarez sah Torhüter Itumeleng Khune in der 76. Minute die Rote Karte.«Der Platzverweis war der Knackpunkt. Das war die schlechteste Schiedsrichterleistung bei dieser WM», wetterte Coach Parreira. «Wir werden aber weiter kämpfen. Alles wird im letzten Spiel entschieden.»
«Das wichtigste ist, dass wir gewonnen haben; wer die Tore macht, ist egal», sagte Matchwinner Forlan, der sich mit zwei Toren an die Spitze der Torschützenliste setzte. «Die Mannschaft fühlt sich immer besser.»
Mit dem sensationellen 1:0 (0:0) gegen den Turnier-Topfavoriten schafften die Eidgenossen in Durban im 19. Vergleich den ersten Sieg gegen die «seleccion» und verschafften sich dank des «goldenen Tores» von Gelson Fernandes (52. Minute) eine erstklassige Ausgangsposition im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale. Gleichauf liegt nach dem ersten Spieltag der Gruppe H Chile, das mit dem 1:0 gegen Honduras in Nelspruit seinen ersten WM- Endrundensieg seit 1962 feierte.
«Meine Mannschaft hat in der Tat Historisches geleistet. Die Schweiz hat in ich glaube 105 Jahren nicht gegen Spanien gewonnen. Aber irgendwann ist es mal soweit. Ich bin sehr stolz auf mein Team, denn es hat sehr intelligent gespielt», meinte der Schweizer Coach Hitzfeld glückstrahlend. Dagegen war sein spanischer Kollege Vicente del Bosque bitter enttäuscht: «Das war nicht unser Tag. Uns hat die Präzision im Abschluss gefehlt. Nun sind wir gezwungen, die nächsten beiden Spiele zu gewinnen.» Der zuvor in 48 Länderspielen nur einmal besiegte EM-Champion erlitt vor 62 452 Zuschauern im Moses- Mabidha-Stadion einen herben Rückschlag und steht im zweiten Match am Montag gegen Honduras bereits gewaltig unter Druck.
Großer Rückhalt in der Schweizer «Nati» war Torhüter Diego Benaglio vom Bundesligisten VfL Wolfsburg. Der Keeper musste mehrfach sein ganzes Können aufbieten. Kurz nach dem Wiederanpfiff wurden die Iberer in der immer besser werdenden Partie eiskalt ausgekontert. Nach einem Steilpass spielte Fernandes mit Derdiyok wunderschön Doppelpass und vollendete gegen die verzweifelten Klärungsversuche von Piqué und Keeper Iker Casillas im zweiten Nachschuss. «Ich bin dran geblieben und habe die Chance dann genutzt», sagte der Matchwinner grinsend. Ihm konnte es egal sein, dass damit der Spielverlauf nahezu auf den Kopf gestellt war.
Auch die Schlussoffensive der Iberer verpuffte. Hinzu kam Pech, als Xabi Alonso die Latte traf (70.) und der für viel Schwung sorgende Torres (72./80.) zweimal knapp vergab. Aber auch die kessen Eidgenossen blieben stets gefährlich: Derdiyok traf nach einem tollen Solo den Pfosten (74.).
Für Chile bedeutete der Treffer von Jean Beausejour (34.) vor 32 664 Zuschauern bereits die Entscheidung. «Wir sind sehr glücklich und müssen diesen Triumph genießen», freute sich der spielfreudige Alexis Sánchez, neben dem Leverkusener Arturo Vidal bester Spieler seines Teams. Vor den Augen von Staatspräsident Porfirio Lobo blieb Honduras bei der zweiten WM-Teilnahme seit 1982 zwar ohne klare Tormöglichkeiten, hielt aber phasenweise gut mit.
In einer temporeiche Partie ließ Chile dem Gegner aus Zentralamerika kaum Platz zum Spielaufbau. Besonders Sánchez begeisterte das Publikum mit seinen Kunststücken, vergaß bei den Solo-Auftritten aber häufiger seine Mitspieler. Nach einer guten halben Stunde belohnte sich Chile - wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung des Gegners. Rechtsverteidiger Mauricio Isla passte quer in die Mitte, wo Sergio Mendoza den Ball Beausejour an den Oberschenkel grätschte. «Das ist ein gerechtes Ergebnis. Wir hatten keine klare Chance», bemängelte Mendoza.
dpa
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