Dienstag, 29. Juni 2010 / 09:36 Uhr
Johannesburg - Kühl, rasant und ungeheuer effizient: Brasilien tanzt nicht Samba, gibt aber den Rhythmus bei der Fußball-WM vor. Nach ihrem 3:0 (2:0)-Sieg gegen Chile hat die «Seleção» endgültig die Favoritenrolle in Südafrika - und geht darin auf.
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«Das ist eine sehr taktische Mannschaft», erklärte Regisseur Kaká den Wandel der einstigen Ballzauberer. «Das war eine richtig gute Vorstellung. Wir steigern uns von Spiel zu Spiel - so wie es geplant ist. Jetzt geht's bis ins Endspiel!» Holland in Not, so könnte es am 2. Juli im Viertelfinale in Port Elizabeth heißen.
Erstmals seit Wochen saß Carlos Dunga völlig entspannt bei einer Pressekonferenz, lächelte und plauderte. Der 46-Jährige spürte, dass es jetzt endlich jeder kapiert hat: Brasilien spielt nicht mehr das «jogo bonito»; Brasilien spielt Präzisionsfußball modernster Prägung, der auch etwas fürs Auge bietet: Wenn beispielsweise Kaká in die gegnerische Abwehr hineinsticht, wenn Robinho elegant nach innen kurvt oder wenn Luis Fabiano den Ball in die Maschen knallt. «Dieses Spiel heute ist nicht nur das Spiel von heute», meinte Dunga. «Dieses Spiel ist das Ergebnis von dreieinhalb Jahren Arbeit.»
Hochzufrieden schlenderten seine Profis im Ellis Park von Johannesburg zum Mannschaftsbus. Zur gleichen Zeit in der Heimat feierten allein an der Copacabana in Rio de Janeiro fast 20 000 grün-gelb gekleidete Fans. Viele Firmen gaben ihren Angestellten «fußball- frei». «Das war ein exzellentes Spiel von uns. Wir haben den Ball laufen lassen und steigern uns im richtigen Moment», meine Luis Fabiano. Der Stürmer vom FC Sevilla freute sich auch über seine drittes Turniertor (38. Minute). Zudem trafen der bärenstarke Manndecker Juan per Kopfball (35.) und Robinho (59.) mit seinem ersten WM-Tor überhaupt.
Luis Fabiano trat in einer Szene der ersten Halbzeit unfreiwillig den Beweis an, dass die Zeiten des Zauberfußballs á la Ronaldinho endgültig vorbei sind: Da versuchte er den Ball mit der Hacke zu spielen - schoss dabei aber sein Standbein an und geriet beinahe ins Straucheln. Für den geradlinigen Stil Dungas steht auch die stärkste Abwehr dieses Turniers: An Kapitän Lucio, seinem Mailänder Kollegen Maicon, dem Ex-Leverkusener Juan und Michel Bastos bissen sich auch die Chilenen die Zähne aus.
Das einzige Klagen an diesem Abend kam von Kaká, der - kaum von seiner Gelb-Rot-Sperre zurück - wieder verwarnt wurde. «Das war ein normales Foul. Jetzt muss ich echt aufpassen im nächsten Spiel, im Halbfinale will natürlich niemand fehlen», meinte der 65-Millionen- Mann von Real Madrid. Ansonsten fühlte sich die weiter verbesserte Nummer 10 «gelöster und leichter. Ich habe die Phase der Prüfungen hinter mir».
Vor der Brust haben die Brasilianer nun den «alten Bekannten» Holland. «Für die Abergläubigen: Die Duelle dieser WM erinnern an einige der vergangenen Weltmeisterschaften», schrieb die Zeitschrift «Lance!» in ihrer Online-Ausgabe. «1998, im Frankreich der traurigen Erinnerungen, schlug Brasilien Chile ebenfalls im Achtelfinale, verlor dann aber das Endspiel gegen die Gastgeber. Vier Jahre zuvor in den USA traf die «Seleção» - wie dieses Jahr - im Viertelfinale auf Holland und wurde Weltmeister.» 1998 besiegten die Südamerikaner im Halbfinale «Oranje» mit 4:2 (1:1) im Elfmeterschießen, 1994 3:2 in der Runde der letzten Acht.
Beide Mal stand Dunga mit auf dem Platz. «Die Niederländer spielen wie Südamerikaner», warnte der Nationalcoach. «Aber unser Selbstvertrauen wächst und wir hoffen, dass wir das Endspiel erreichen können.» Genau an den 11. Juli dachte «Lance!» bei seiner Schlagzeile, mit der das Blatt Chiles argentinischen Trainer Marcelo Bielsa verabschiedete: «Ein Argentinier weniger bei der WM. Adios, Bielsa.»
dpa
1 Kommentar | Kommentare verstecken
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Heribert Faßbender: Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden.
1. Nikopolidis schrieb am 29.06.2010 um 11:27:39:
Das wird ein geiles Finale geben. Argebtinien gegen Brasilien. Ich freu mich schon auf das Gigantische Duell. Aber ich würde denken, das Argentinien sehr knapp gewinnen wird.
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