Freitag, 2. März 2007 / 11:38 Uhr
Düsseldorf - Ein kleines Buch bescherte vor 20 Jahren einem der damals weltbesten Fußball-Torhüter einen Karriereknick. Am 23. Februar 1987 veröffentlichte Harald «Toni» Schumacher unter dem Titel «Anpfiff» eine literarische Zwischenbilanz seiner Karriere, die zum Skandal wurde.
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Der Torhüter des 1. FC Köln behauptete darin, in der Bundesliga sei Doping an der Tagesordnung. Schumacher berichtete außerdem von Alkohol- und Sex-Ausschweifungen einiger Kollegen, hielt aber auch ein Plädoyer für neue Trainingsmethoden.
Harald «Toni» Schumacher (l) signiert 1987 in Berlin sein Buch «Anpfiff».
Die Quittung für seine Behauptungen bekam der Keeper gleich doppelt. Am 6. März 1987 wurde Schumacher vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus der Nationalmannschaft verbannt. Auch der 1. FC Köln kündigte ihm den Vertrag. «Das hat beides sehr wehgetan. Ich war 16 Jahre bei diesem Club, und die Nationalmannschaft war von der Wertigkeit noch einmal wichtiger», sagt der Europameister von 1980 heute. Und: «Ohne dieses Buch wäre ich ganz sicher 1990 Weltmeister geworden.» So aber war sein 76. Länderspiel am 15. Oktober 1986 gegen Spanien (2:2) das letzte.
Bereut hat er das Werk dennoch nicht. «Niemals. Viele Dinge davon stimmten ja. Man muss nur mal sehen, was von dem eingetroffen ist. Ich denke da zum Beispiel an Mentaltraining. Vielleicht war ich meiner Zeit voraus», sagt Schumacher, der am kommenden Montag - dem 20. Jahrestag seines Rauswurfs aus der Nationalelf - 53 Jahre alt wird. Auch die damaligen Doping-Vorwürfe hält er aufrecht. «Der Fußball ist definitiv sauberer geworden. Heute gibt es Doping-Proben. Wer heute noch dopt, muss ja einen Schaden haben», sagt Schumacher.
Auch wenn er heute mit sich im Reinen ist, kann er den Rauswurf beim DFB und dem 1. FC Köln nicht nachvollziehen. «Damit hatte ich nicht gerechnet. Meine Mutter hat mich so erzogen, immer die Wahrheit zu sagen», so Schumacher. Abgesehen von der verpassten Weltmeisterschaft 1990 in Italien hat sein Buch seiner Meinung nach der weiteren Karriere jedoch nicht geschadet: «Es war der Beginn eines türkischen Abenteuers mit vielen neuen Freunden. Außerdem habe ich danach noch bei Schalke und bei Bayern München gespielt.»
Auch nach seiner aktiven Karriere sorgte Schumacher als Trainer von Fortuna Köln für ein Kuriosum. Am 15. Dezember 1999 wurde er in der Halbzeitpause des Zweitligaspiels gegen Waldhof Mannheim (1:5) vom Präsidenten Jean Löring entlassen. Bis 2003 stand er danach im Trainerstab von Bayer Leverkusen. Heute ist er Gesellschafter einer Sport-Marketing-Agentur mit 16 Angestellten. Auf die Trainerbank will er nicht mehr zurück. «Der Fußball ist nicht mehr das, was er mal war, und die Typen sterben leider aus. Wenn ich sehe, wie die Jungs heute ihre Tore feiern und das offenbar vorher schon einstudiert haben, dann ist das nicht mehr meine Welt», sagt er.
Der gebürtige Dürener ist froh, dass die Fußball-Welt zu seiner aktiven Zeit eine andere war. «Natürlich wäre ich heute auch ein Superstar vom Kaliber Oliver Kahn, aber die Jungs erleben doch heute gar keine Geschichten mehr, wie wir sie damals mannschaftsintern erlebt haben.» Einige davon hat er in seinem Buch «Anpfiff» beschrieben.
dpa
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