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WM-Weckruf zur rechten Zeit

Faro/Portugal - Birgit Prinz fand es ein bisschen «krass», doch für die erfolgsverwöhnten deutschen Fußball-Frauen soll sich die erste Niederlage seit einem Jahr als heilsamer Schock erweisen.

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«Ich verliere ganz gern in der Vorbereitung. Die Niederlage kam zur rechten Zeit», sagte Cheftrainerin Silvia Neid, die der Lehrstunde beim 1:2 (1:1) gegen Norwegen zum Auftakt des Algarve-Cups in Faro viel Positives abgewann und sie als WM-Weckruf verstand: «Wir wollten uns hier der Herausforderung gegen die besten Mannschaften stellen. Norwegen hat uns die schon länger bekannten Schwächen aufgezeigt. Jetzt wissen wir, dass wir noch viel Arbeit haben und es nicht einfach wird, den WM-Titel zu holen.»

Enttäuschung

Birgit Prinz (r) rackert sich im Zweikampf gegen Norwegens Lene Storlokkn ab.

Sechs Monate vor der Weltmeisterschaft im September in China offenbarte der Titelverteidiger ungeahnte Defizite. Die Mängelliste war lang: Spritzigkeit, Präzision, schnelles Positions- und Passspiel, Stabilität in der Abwehr, Durchschlagskraft im Angriff, Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen - all das habe ihre Elf vermissen lassen, sagte die 42-jährige Trainerin. Auch Rückkehrerin Renate Lingor, die ein schönes Feistoßtor erzielte, aber das Spiel nicht lenken konnte, nahm Neid nicht von der Kritik aus. «Einige hatten Probleme mit dem hohen Tempo. Vor allem die, die beim Turnier in China nicht dabei waren.»

Ebenso deutlich fiel das Fazit von Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz nach der ersten Schlappe seit dem 1. März 2006 (0:1 gegen China) und 15 Spielen ohne Niederlage aus. «Wir haben fast alles falsch gemacht. Was man braucht, um gut Fußball zu spielen, hat uns gefehlt», gestand die 29 Jahre alte Spielführerin. Das Bemühen sprach sie der Elf gar nicht ab, doch es habe «kein Miteinander» gegeben: «Keine hat der anderen geholfen. Wir waren gar nicht auf dem Platz.» Eine Erklärung dafür hatte sie nicht, denn immerhin standen zeitweise sechs Akteurinnen vom Liga-Primus 1. FFC Frankfurt auf dem Rasen. «Eigentlich sind wir eingespielt. Sicher kann man sagen, bis zur WM ist noch viel Zeit. Aber so krass hätten wir unsere Schwächen nicht gezeigt bekommen müssen», sagte Prinz besorgt.

Frustriert war auch Stephanie Ullrich. Die 22 Jahre alte Torfrau vom VfL Wolfsburg hatte im Januar in China nach Silke Rottenbergs Kreuzbandriss in ihren ersten beiden Länderspielen überzeugt und bei den Nullnummern gegen China und England den Kasten sauber gehalten. Doch gegen den Vize-Europameister verriet sie Unsicherheiten und verschuldete nach Toren von Ingvild Stensland (15.) und Lingor (18.) das entscheidende 1:2. Einen schon gefangenen Ball ließ sie vor Melissa Wiiks Füße fallen (69.). «Das geht auf meine Kappe», gestand Ullrich. «Das zweite Tor haben wir uns selbst reingehauen», urteilte Neid, «aber sie weiß, dass sie noch Defizite hat. Daraus lernt sie.»

Im zweiten Spiel in Faro gegen Frankreich, das Dänemark 0:4 unterlag, muss ein Sieg her, um die Chance auf die Titelverteidigung zu wahren. Gegen die technisch starken Französinnen bekommt FFC-Torhüterin Ursula Holl ihre Chance. Die 24-Jährige gehört seit Jahren zum Kader, kam aber noch nie zum Einsatz und soll beim Algarve-Cup wie Ullrich zwei Spiele machen. Beide Torfrauen kämpfen um das dritte WM-Ticket hinter Rottenberg (sofern sie rechtzeitig fit wird) und der in Portugal fehlenden Nadine Angerer aus Potsdam.

dpa

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