Donnerstag, 8. März 2007 / 17:00 Uhr
Madrid - Ausgerechnet Roberto Carlos leistete sich im Champions-League-Spiel bei Bayern München einen Anfängerfehler, der seinen Club Real Madrid schon nach elf Sekunden in Rückstand und auf die Verliererstraße brachte.
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Der 33-jährige Routinier hatte lange Zeit als bester Linksverteidiger der Welt gegolten, wegen seiner Schussgewalt war der Brasilianer bei den Torhütern gefürchtet. Die spanische Presse machte den Verteidiger, der seit fast elf Jahren das Real-Trikot trägt, als einen der Hauptverantwortlichen für das Ausscheiden der «Königlichen» aus. «Real gibt sich selbst die Kugel», titelte die Zeitung «La Razón». «Roberto Carlos ist schuldig.»
Reals Ramos (l), Torres (r) und Carlos können Bayerns Podolski (m) nicht bändigen.
Der Unglücksrabe konnte sich sein Missgeschick selbst nicht so recht erklären. «Der Ball ist irgendwie komisch vor mir aufgesprungen», versuchte er, sich zu rechtfertigen. Roberto Carlos hatte sich direkt nach dem Anstoß den Ball von Hasan Salihamidzic abjagen lassen, der Roy Makaay die Vorlage zum 1:0 für die Bayern gab. Das Sportblatt «Marca» will genau 9,99 Sekunden gestoppt haben: «Dies waren die verheerendsten Sekunden der Vereinsgeschichte. Real ging im Schnellverfahren k.o.» Die offizielle Messung des Europäischen Fußball-Union (UEFA) ergab für Makaays Blitztor exakte 10,03 Sekunden.
Der Führungstreffer der Bayern warf alle Pläne von Real-Trainer Fabio Capello über den Haufen, der nach dem 3:2-Hinspielsieg in seiner italienischen Art auf ein 0:0 spekuliert hatte. Nun musste Real mit einer ultradefensiven Aufstellung auf Torejagd gehen. «Ich kann doch nach zehn Sekunden keine neuen Spieler einwechseln», beschrieb Capello sein Dilemma.
Der Italiener hängt nun selbst wieder in den Seilen und muss um seinen Posten bangen. «Dieser Trainer ist zu nichts nutze», meinte das Sportblatt «As». «Mit ihm verlor Real ein weiteres Jahr. Es ist irritierend, dass die schlechteste Bayern-Elf des Jahrzehnts gegen Real zwei Tore schießt und ein Dutzend Chancen herausspielt.» Eine Zeit lang schien es sogar, als würde Real den Coach noch vor dem Schlagerspiel beim Erzrivalen FC Barcelona entlassen. «Ich kann dazu nichts sagen», meinte Sportdirektor Pedja Mijatovic, stellte aber später klar: «Capello wird im Derby auf der Bank sitzen.»
Mit Capello, der Real-Vereinsführung und der Mannschaft ging die spanische Presse hart ins Gericht, an Schiedsrichter Lubos Michel hatte sie dagegen wenig auszusetzen. Dabei hatte der Slowake in der 89. Minute den Madrilenen wegen eines Handspiels einen Treffer annulliert, der das 2:2 bedeutet hätte. «Sergio war mit der Hand am Ball, die Entscheidung war richtig», stellte «Marca» fest.
Nach dem Aus in der Champions League droht Real-Präsident Ramón Calderón neuer Ärger. Spanische Medien halten dem Clubchef vor, sein Amt dazu missbraucht zu haben, Verwandten bei Geschäften in Rumänien zu helfen. Calderón habe am Rande von Reals Gastspiel bei Steaua Bukarest im Oktober 2006 über den Export von Schweinen verhandelt. Eine Zeitschrift des rumänischen Agrarministeriums pries die Tiere später als «galaktische Schweine» an.
dpa
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Gerhard Delling: Die haben den Blick für die Orte, wo man sich die Seele hängen und baumeln lassen kann.
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