Dienstag, 30. November 2004 / 13:32 Uhr
Frankfurt/Main - Wenn es nach Werner Hackmann und seinen Mitstreiter von der Deutschen Fußball Liga (DFL) geht, dann erfreut sich der deutsche Profi-Fußball bester Gesundheit.
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«Die Bundesliga ist Kult und boomt wie nie zuvor. Wir haben ein tolles Produkt und jedes Wochenende Hunderttausende in den Stadien sowie Millionen vor dem Fernseher», pries der Präsident des Liga-Verbandes bei der Präsentation einer Broschüre über die wirtschaftliche Situation im deutschen Lizenzfußball sein «Premium Produkt».
DFL-Präsident Werner Hackmann lacht bei einer Pressekonferenz in die Kameras.
In dem vom DFL-Geschäftsführer Finanzen, Christian Müller, ausgearbeiteten 55-Seiten-Werk über die Lage der Liga, die den zuvor tagenden Bundesliga-Managern erläutert worden war, wird ein Bild wirtschaftlicher Solidität gezeichnet. Die Gesamtverschuldung von 670 Millionen Euro - Stand: Saison 2002/2003 - schilderte Hackmann als nicht so dramatisch, weil Vermögenswerte von rund 1,1 Milliarden Euro entgegenstünden. Hackmann: «Die Bundesliga verfügt über ein solides Nettovermögen.» Aktuellere Zahlen der Saison 2003/2004 sollen im Februar veröffentlicht werden.
Als positiven Trend bezeichnete Hackmann die Tatsache, dass es der Bundesliga gelungen sei, als Folge der Kirch-Krise und der von 360 auf 290 Millionen Euro gesunkenen Fernseh-Einnahmen vor allem die Personalaufwendungen drastisch zu senken. Hackmann: «Die Vereine haben reagiert und ihr Personal reduziert». Im Vergleich zu den Topligen der italienschen Serie A, der englischen Premier League oder der spaniscchen Primera Division hat die Bundesliga die mit Abstand geringsten Personalkosten. Auch die Zuschauerzahlen der Bundesliga sind im internationalen Vergleich zwar gestiegen, die Einnahmen aber dennoch geringer ausgefallen. Hackmann: «Die Bundesliga ist Fan-freundlich und hat äußerst moderate Eintrittspreise. Das ist erfreulich.» Nur die Auslastung der Stadien sei in England höher.
Der geschäftsführende DFL-Vorsitzende Wilfried Straub erinnerte daran, dass die Vereine nicht nur kommerzielle Unternehmen seien, sondern auch «mittelbar gemeinnützige Aufgaben» erfüllten. So haben die 36 Proficlubs im Kalenderjahr 2003 allein 453 Millionen Euro an Steuern in den Staatshaushalt einbezahlt. 57 Millionen Euro wurden zudem in der Saison 2002/2003 für die Bereiche Jugend- und Amateursport sowie für den Unterhalt von Jugend-Leistungszentren aufgewendet.
Um das «Volksgut Fußball» (Straub) konkurrenzfähig zu halten, sieht sich die DFL nach neuen Möglichkeiten und Märkten um. Um mehr Mitsprache in Liga-Belangen und mehr Unabhängigkeit von der Europäischen Fußball-Union UEFA zu erlangen, hat sie sich der Vereinigung der von Italien initiierten «European Professional Football League» (EPFL) angeschlossen, der zur Zeit 14 Liga-Verbände angehören. In China bereiteten Hackmann und Straub bereits im September neuen Boden vor, um dort die deutsche Eliteliga im Fernsehen zu positionieren. Straub: «Da hinken wir noch hinter England und Italien hinterher.»
Guter Hoffnung ist die DFL, dass ihr TV-Vertragspartner Premiere seinen Vertrag über 2006 hinaus verlängert. Das Projekt eines eigenen Liga-Kanals will Straub nicht als Drohgebärde verstanden wissen. «Wir brauchen aber Alternativen, um nicht von der jeweiligen Marktsituation abhängig zu sein», meinte Straub. Dass die DFL auf der Suche nach einem finanzkräftigen Namensgeber und Hauptsponsor noch immer nicht fünfig geworden ist, wird nicht so dramatisch gesehen. «Es muss sich lohnen, auch für Bayern München», sagte Straub, der inzwischen eine große Solidarität im Profifußball ausgemacht hat: «Wir diskutieren mittlerweile mehr über Gemeinsames als über Trennendes. Auch der Letzte hat begriffen, dass es nicht um Einzelschicksale, sondern um die Gruppe geht.»
dpa
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