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Frauenfußball im Umbruch

Albufeira/Portugal - Der deutsche Frauenfußball steht vor einem Umbruch. Um die eroberte internationale Vormachtstellung zu behaupten, fordern die Verantwortlichen professionellere Strukturen in den Verbänden und den Vereinen.

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Fieberhaft wird auf vielen Ebenen an Konzepten gearbeitet: So erlebt beispielsweise die Zusammenarbeit der Frauen-Nationalmannschaft mit der Deutschen Sporthochschule Köln vor der Weltmeisterschaft in China im September eine Renaissance.

Bundestrainerin

Silvia Neid steht bei einem Spiel der deutschen Mannschaft vor der Bank.

Norbert Stein, Dozent am Institut für Motorik und Bewegungstechnik, prüfte die DFB-Spielerinnen in einem dreitägigen Leistungstest vor Weihnachten auf Herz und Nieren. Alle für eine gezielte Leistungsdiagnostik notwendigen Werte (Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer usw.) wurden erfasst und ausgewertet. «Daraus ergaben sich individuelle Profile, aus denen wir maßgeschneiderte Trainingspläne für jede einzelne Spielerin erstellt haben», erläutert Stein beim Algarve-Cup in Portugal.

In einer anschaulichen Grafik kann jede Akteurin leicht erkennen, wie sie im Vergleich zum gesamten Team abschneidet, wo ihre Stärken und ihre Schwächen liegen. So gibt es Anhaltspunkte für eine gezielte Leistungssteuerung. Nach der ersten Erhebung im Dezember, der weitere Überprüfungen folgen, kommt Stein zu dem Schluss: «Die Mannschaft ist fit. Aber es sind auch noch viele Bereiche heftig zu beackern, wenn man bei der WM und danach ganz oben mitspielen will.»

Der Sportwissenschaftler absolvierte sein Studium einst gemeinsam mit Christoph Daum und Tina Theune-Meyer. In der Ära der früheren DFB-Cheftrainerin entstand im Jahr 2000 die Zusammenarbeit mit der Frauen-Auswahl. «Tina war sehr innovativ. Sie hat mich manchmal ausgepresst wie eine Zitrone. Was die Männer unter Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 im Fitnessbereich gegen Widerstände durchgesetzt und dann als neu verkauft hat, haben wir teilweise schon vor Jahren konsequent umgesetzt», berichtet der 53-Jährige, «und der Erfolg gab Tina recht.» 2003 holte ihr Team den WM-Titel in den USA.

Der Kontakt zum DFB und der damaligen Assistentin Silvia Neid, die nach der EM 2005 das Cheftrainerin wurde, ist nie abgerissen und wird nun intensiviert. «Das Konzept ist langfristig angelegt», sagt Stein, der auch die Basketballer von RheinEnergie Köln sowie Leichtathleten, darunter der Behinderten-Sportler Wojtek Czyz, betreut.

Der Hauptproblem ist, dass es anders als bei den Männer keine Vollprofis gibt. Selbst die Nationalspielerinnen müssen mit einer Doppelbelastung klar kommen. Viele stecken in der Ausbildung, studieren, arbeiten Vollzeit oder halbtags. Flexibilität heißt das Zauberwort. Nur wenige wie Torhüterin Silke Rottenberg, Kerstin Stegemann oder Conny Pohlers genießen die Vorteile der Sportförderung durch die Bundeswehr. «Wir müssen den Mädchen auch bei der Karriere- und Lebensplanung helfen. Da ist nicht nur der DFB, sondern da sind auch die Clubs und Arbeitgeber in der Pflicht. Die Trainingsumfänge müssen deutlich gesteigert werden», fordert Stein. Wenn man Leistungssport auf Weltniveau betreiben wolle, komme man am Halbprofi- bzw. Profitum nicht vorbei, betont auch Neid. Andere Nationen wie die USA oder Schweden sind da schon weiter.

Konzepte und Ideen gibt es reichlich. An der Umsetzung hapert es oft. Der DFB will drei Stützpunkte in Köln, Potsdam und Frankfurt einrichten, wo die Nationalspielerinnen häufiger zusammen kommen. Eine wichtige Rolle spielt die Verzahnung mit den Vereinen. Branchenführer 1. FFC Frankfurt hat die Zeichen der Zeit längst erkannt. Auch in Potsdam, Wolfsburg oder Duisburg und Essen gibt es gute Ansätze. «Man braucht die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen», betont FFC-Manager Siegfried Dietrich. «Nur dann können sich die Spielerinnen voll auf den Sport konzentrieren.»

dpa

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