Donnerstag, 15. März 2007 / 12:47 Uhr
Bremen - Torsten Frings schimpfte auf die eigenen Fans. Trotz des 2:0 (0:0)-Sieges gegen Celta Vigo und des Sprungs in das Viertelfinale des UEFA-Cups sah Werder Bremens Kapitän GRund zur Klage.
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«Ich bin stocksauer auf das Publikum, das sich freut und klatscht, wenn ein Spieler ausgewechselt wird. Das macht unsere Spieler nur kaputt.» Während die Anhänger Jurica Vranjes mit höhnischem Applaus verabschiedeten, feierten sie um so intensiver den erst 18 Jahre alten Kevin Schindler - den jugendlichen Helden des Abends, der mit seinem Schwung nach der Halbzeit für die Wende gesorgt hatte.
Beim Jubel von Mertesacker (l) und Fritz wirkt Schindler noch etwas ehrfürchtig.
Im Grunde genommen sind die Pfiffe für Vranjes während des Spiels und das ironische Klatschen beim Wechsel nur eine kleine Randnotiz, doch die Reaktionen sind auch symptomatisch für Werders Situation. Zum einen zeigt das Verhalten, wie verwöhnt das Bremer Publikum inzwischen ist. Zum anderen wird deutlich, wie weit Werder von der Form der Hinrunde entfernt ist und wie verunsichert Teile des Teams sind. «Das hilft nicht, das macht nur noch nervöser», meinte Frings.
Auch Manager Klaus Allofs kritisierte das Verhalten der Fans, sagte aber: «Juri muss sich mit seiner Leistung auseinander setzen.» Dass Vranjes nur ganz selten überzeugende Partien zeigt, ist auch Allofs nicht entgangen. Dass der Kroate dennoch Stammspieler ist, offenbart freilich eines der größten Werder-Probleme: Auf Dauer und vor allem in schwierigen Phasen sind die vielen Ausfälle nicht gleichwertig zu ersetzen. «Uns fehlt die Erfahrung eines Frank Baumann oder eines Tim Borowski», kommentierte Frings.
Vranjes war der Buhmann, Schindler der Star des Abends. Voller Respekt lobte Nationalspieler Per Mertesacker den Stürmer, der das Fehlen des verletzten WM-Torschützenkönigs Miroslav Klose (Rückenbeschwerden) eindrucksvoll nutzte: «Wir haben auf eine Initialzündung gewartet. Mit Kevin wurde das anders, ihn haben wir heute gebraucht.»
Tatsächlich riss der A-Jugendliche die matt spielenden Profis mit seinem Schwung mit und bereitete mit einer herrlichen Flanke das 1:0 durch Hugo Almeida (48.) vor. Der hatte bereits beim 1:0-Sieg im Hinspiel getroffen. Für rund 20 Minuten drehte Werder auf, hätte noch mehr Tore als den zweiten Treffer durch Clemens Fritz (61.) erzielen können und erinnerte kurzzeitig an die Form der Hinrunde.
Schindler konnte sein Glück kaum fassen. «Oben bei den Profis, bei den Topstars mitzuspielen, das ist sensationell», sprudelte es aus dem Nachwuchsmann heraus, der seit acht Jahren in der Werder-Jugend spielt und gegen Mainz 05 auf sein Bundesliga-Debüt hofft. «Kevin hat unser Spiel belebt», lobte Allofs. «Plötzlich kamen unsere Flanken und die Zuschauer sind wieder wach geworden.»
Es ist bezeichnend, dass Werder derzeit die Unbekümmertheit eines Jugendlichen benötigt, um nach einer erschreckend schlechten ersten Halbzeit wie verwandelt aufzutreten. Der Druck scheint enorm, die Krise auch nach zuletzt drei Siegen und einem Unentschieden noch nicht vollends verarbeitet. «Wir sind auf dem Weg zurück zur Leichtigkeit noch nicht angekommen», kommentierte Trainer Thomas Schaaf. «Wir bemühen uns, unsere Stärke zurückzufinden.»
dpa
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