Donnerstag, 15. März 2007 / 13:10 Uhr
Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen feierte nach dem Einzug in das Viertelfinale des UEFA-Cups auch die Rückkehr des Spaß-Fußballs und dessen Inspirator Bernd Schneider.
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«Es wird immer über Podolski, Schweinsteiger oder Ballack geredet», monierte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler nach dem 3:0 gegen den RC Lens. «In Deutschland ist aber vergessen, dass es einen Bernd Schneider gibt.» Der 33 Jahre alte Nationalspieler ist seit Wochen genialer Wegbereiter der jüngsten Erfolgsserie des Werksclubs. «Er ist ja schon in Normalform Weltklasse, aber jetzt spielt er noch eine Stufe drüber», schwärmte sein Mittelfeld-Partner Tranquillo Barnetta.
Die Bayer-Spieler feierten gegen Lens einen rundum gelungenen Abend.
«Er macht Dinge, die andere nicht machen. Dehalb heißt er auch der 'weiße' Brasilianer. Er ist ein Lust-Fußballer», schloss sich Völler nach dem «sensationellen Fußball-Fest» gegen den französischen Spitzenclub dem Lob an. Dass Schneider, den sie «Schnix» nennen und der sein 65. Europacupspiel bestritt, nicht die ihm gebührende Anerkennung erfährt, liegt auch an dem in Jena geborenen Vollblutprofi selbst. «Er will einfach nicht so in der Öffentlichkeit stehen, ist etwas zurückgezogen», sagte Völler, «dies würde anderen auch ganz gut tun.»
Zufrieden mit Schneider war auch Stürmer Andrej Woronin, der zuletzt über zu wenige Vorlagen von seinem Kollegen geklagt hatte. «Wir hatten vorher eine Diskussion», berichtete der Ukrainer, der nach einem Traumpass von Schneider das Führungstor (36. Minute) erzielte und die beiden weiteren Treffer von Sergej Barbarez (55.) und Juan (70.) vorbereitete. «Wenn wir so weiter spielen und hinten gut stehen, könnte alles passieren», sagte Woronin, der am Ende der Saison zum FC Liverpool wechselt und gern im UEFA-Pokal-Finale am 16. Mai in Glasgow seinen Abschied geben würde.
«Natürlich ist das ein Traum», sagte Mittelfeldspieler Simon Rolfes. Schließlich habe Bayer 04 in Glasgow vor fünf Jahren schon im Champions-League Endspiel gegen Real Madrid (1:2) gestanden. «Vielleicht ist das ein gutes Omen», hofft er. Auf die Euphorie-Bremse trat hingegen Völler, der vor allem das Erreichen eines UEFA-Cup-Platzes für 2007/08 und das Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach im Visier hat. «Jetzt wollen wir erstmal gegen Gladbach gewinnen», meinte der 46-Jährige.
Allerdings ließen auch ihn die Wunschträume der Spieler und die Freudengesänge der Fans («Finale, Finale») nicht kalt. «In den Gruppenspielen waren wir mit einem Bein fast draußen. Das Viertelfinale ist jetzt Luxus, doch nun haben wir auch Blut geleckt», bekannte Völler. Für die Auslosung der Runde der letzten Acht hat er keinen Wunschgegner. «Alles außer Tottenham Hotspur», sagte Völler in Erinnerung an das 0:1 gegen die Engländer in der Gruppenphase.
Glücklich war nach der Euro-Gala auch Trainer Michael Skibbe, der in den knapp anderthalb Jahren seit seinem Amtsantritt Bayer wieder zu einer attraktiven Mannschaft geformt hat. «Das war Fußball, wie man ihn spielen muss. Es war ein perfekter Abend», meinte der Ex-Bundestrainer, «man hat gesehen, wie viel Spaß die Spieler hatten.» Das Geheimnis der jüngsten Erfolge und der zurückgewonnenen hohen Spielkultur liegt für ihn in der idealen personellen Balance begründet. «Es gibt ein tolles Gleichgewicht in der Mannschaft zwischen alten Spielern, die noch viel laufen, und jungen, die sich bis zuletzt reinknien», erklärte Skibbe und fügte optimistisch an: «Für uns ist noch vieles möglich.»
dpa
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