→ Meldung

Frankreich und die Angst vor den eigenen Fans

Paris - Der Tag der Abrechnung ist da: Erstmals nach der Blamage bei der Fußball-WM in Südafrika stellt sich die französische Nationalmannschaft dem heimischen Publikum.

anzeige

Zum Start der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 heißt der Gegner am Freitag im Pariser Stade de France zwar Weißrussland. Angst haben die «Bleus» aber in erster Linie vor den eigenen Fans. «Ob man uns auspfeifen wird? Die Frage stelle ich mir schon seit Tagen. Und ganz ehrlich: Ich fürchte dieses Wiedersehen», räumt Mittelfeldmann Abou Diaby ein.

Frankreich-Coach

Foto: dpa Bild vergrößern

Laurent Blanc ist der Coach der französischen Nationalmannschaft.

Der 24-jährige Arsenal-Profi ist einer von neun WM-«Sündern», denen der neue Nationaltrainer Laurent Blanc die Chance zur Wiedergutmachung gibt. Zu dieser Gruppe gehört auch Tormann Hugo Lloris. Der Schlussmann von Olympique Lyon will aber keine Wunder versprechen: «Es gibt viele junge Spieler, mit denen wir das Team langsam wieder aufbauen werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine schöne Zukunft vor uns haben. Aber wir fangen bei Null an». «Ich bin sehr motiviert. Hören wir endlich auf mit den Klagen über die WM», fordert unterdessen Chelsea-Profi Florent Malouda.

Der Neuanfang findet ohne FC-Bayern-Star Franck Ribéry statt. Der Flügelflitzer wurde wegen des Trainingsboykotts in Südafrika vom französischen Verband für drei Länderspiele zum Zuschauen verdammt. Auch Nicolas Anelka (18 Spiele gesperrt), WM-Kapitän Patrice Evra (5) und Jérémy Toulalan (1) sind weder gegen die Weißrussen um den Ex-Stuttgarter Alexander Hleb noch vier Tage später gegen Bosnien-Herzegowina dabei. Zeit zum Besinnen für die angeblichen Hauptschuldigen am WM-Fiasko.

Blanc deutete im Trainingslager in Clairefontaine bei Paris an, dass er in Zukunft weiter auf Ribéry & Co. baut. Einen «Zickenkrieg» wie in Südafrika will er aber auf keinen Fall tolerieren. «Ribéry muss sich bemühen, muss seine Einstellung ändern und in der Équipe Leistung bringen», warnte mit ungewöhnlich scharfen und klaren Worten der 44 Jahre alte Coach, der wegen seiner Autoritätsstärke «Le Président» genannt wird. Eventuell werde Ribéry in Zukunft auch die ungeliebte Position auf der rechten Außenbahn einnehmen müssen.

Der französische Neustart soll mit Hilfe «frischer Gesichter» wie dem 20-jährigen Yann M'Vila von Stade Rennes oder dem drei Jahre älteren Kevin Gameiro vom FC Lorient gelingen. Unterstützung soll in Clairefontaine von Ex-Superstar Zinedine Zidane kommen, Blancs berühmtesten Teamkollegen aus der Weltmeister-Elf von 1998. M'Vila, der beim Titelgewinn Frankreichs 1998 nur acht Jahre alt war, kann sein Glück nicht fassen: «Für viele von uns ist Zidane der beste Fußballer aller Zeiten. Er ist heute immer noch besser als viele von uns».

Zunächst plagen allerdings Personalprobleme ohne Ende den neuen Nationaltrainer. Der Coach der «Bleus» muss nun auch auf Yohan Cabayé verzichten. Der Mittelfeldmann des OSC Lille musste wegen einer Verletzung am linken Oberschenkel das Trainingslager der Franzosen in Clairefontaine bei Paris verlassen. Für Cabayé, der erst zwei Tage zuvor für den verletzten Lassana Diarra von Real Madrid nachnominiert worden war, wurde nach Angaben des Verbandes Blaise Matuidi von AS St. Etienne in den Kader berufen.

Zu allem Übel bangt man bei der «Équipe tricolore» um den Einsatz von Stürmer Karim Benzema. Der Real-Profi hatte nach einem Schlag auf den rechten Knöchel das Training vorzeitig abbrechen müssen und konnte noch nicht wieder trainieren. Leichte körperliche Probleme plagten zudem die Spieler Loïc Rémy, Adil Rami, Guillaume Hoarau, Mamadou Sakho und Abou Diaby. Auf die bereits gesperrten WM-«Sünder» Franck Ribéry (3 Spiele), Nicolas Anelka (18), Patrice Evra (5) und Jérémy Toulalan (1) muss Blanc bei seinem offiziellen Debüt als Trainer der «Équipe tricolore» ohnehin verzichten.

Dafür bekam der Ex-Meistermacher von Girondins Bordeaux (2009) bei der Vorbereitung des Spiels im Pariser Stade de France Hilfe von Zidane. «Ich habe (den Spielern) keine Ratschläge gegeben, sondern einfach etwas Zeit mit ihnen verbracht (...) ich wollte etwas von meiner Erfahrung rüberbringen und habe ihnen erklärt, wie wichtig der Sieg ist», so der 38-jährige «Zizou» in Clairefontaine.

Der «Trumpf» der Franzosen heißt aber weder M'Vila noch Zidane, sondern Blanc. Die Medien der «Grande Nation» loben den Arbeitsstil des Nachfolgers des umstrittenen Raymond Domenech trotz des 1:2 im Freundschaftsspiel in Norwegen weiter über den grünen Klee. Der Ex- Meistermacher von Girondins Bordeaux (2009) konnte bislang auch die Profis überzeugen. «Das, was Blanc sagt, das kommt bei mir an», so Diaby begeistert. Angst vor den eigenen Fans hat Blanc, anders als einige seiner Schützlinge, nicht: «Wenn wir guten Fußball spielen wird man uns auch unterstützen». Sein Motto hat der Trainer dieser Tage bereits ausgegeben: «Vergessen wir Juni, die Zukunft kommt!».

dpa

Diesen Artikel bookmarken bei...
del.icio.us Mister Wong Technorati Google Linkarena Oneview Folkd YiGG

0 Kommentare | Kommentare verstecken

Kommentar schreiben


Bundesliga Live

Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.

Fussball Manager

Fussball Manager - FussballCup

Fussball-Spruch des Tages

Heribert Faßbender: Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden.