Freitag, 3. September 2010 / 12:12 Uhr
Frankfurt/Main - Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen hat die häufigen Trainerwechsel in der Fußball- Bundesliga kritisiert. «Das kann nicht zur Kontinuität führen und einen sportlich nach vorne bringen», sagte der Eintracht-Boss bei einem Auftritt in Frankfurt.
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Auch in Frankfurt hatte sich das Trainerkarussell vor der Ära Bruchhagen, der den Club seit Dezember 2003 führt, schnell gedreht. In den zehn Jahren davor gab es 16 Fußballlehrer bei der Eintracht. Mitte 2004 übernahm Friedhelm Funkel für fünf Jahre das Kommando, seit Sommer 2009 ist Michael Skibbe verantwortlich. «Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Kontinuität wahren sich auszahlt. Wir glauben, damit richtig gefahren zu sein», sagte Bruchhagen.
Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen unterstützt seinen Trainer Michael Skibbe (l).
Als Grund für die häufigen Trainerwechsel sieht er auch den öffentlichen Druck. Laufe es einmal nicht so gut, höre er von überall Sprüche wie «Da musst Du doch mal was machen jetzt!» Dabei seien Durststrecken für durchschnittlich erfolgreiche Vereine wie die Eintracht normal. «Clubs mit Platzierungen in der Tabellenmitte verlieren pro Saison mindestens dreimal zwei Spiele hintereinander und mindestens zweimal drei Spiele hintereinander. Da ist dann Gelassenheit angesagt», meinte Bruchhagen.
Die Eintracht steht nach den ersten beiden Spielen noch mit leeren Händen da, nachdem sie gegen Hannover 96 (1:2) und den Hamburger SV (1:3) verloren hatte. Trainer Skibbe hat 50 Punkte als Saisonziel ausgegeben - das entspräche einer Top-Ten-Platzierung. Bruchhagen sagte dazu: «Wir glauben, dass wir eine Mannschaft haben, die für Plätze zwischen 9 und 13 prädestiniert ist.»
Angesichts wachsender Armut und sozialer Benachteiligung stehen alle Clubs der Fußball-Bundesliga aus Sicht von Bruchhagen vor ungeahnten Herausforderungen. «Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, auf die wir gar nicht eingestellt sind», sagte der Eintracht-Boss bei einem Auftritt in Frankfurt.
Es gebe bereits heute viele Arbeitslose und Rentner, deren einziger Lebensinhalt Fußball sei. Laut Bruchhagen ist absehbar, dass die Gruppe dieser Menschen weiter wachse - und damit das Problem, dass sie so stark auf ihren Fußballverein fixiert sind. «Das ist ein Sachverhalt für den Profifußball, auf den wir uns erst einstellen müssen», sagte Bruchhagen.
Die Clubs müssten dem Fakt stärker gerecht werden, dass Stadion und Trainingsgelände für viele Menschen der Lebensmittelpunkt seien - und zwar längst nicht mehr nur bei den Heimspielen, sondern täglich. Es brauche Konzepte, um dieser Entwicklung besser zu begegnen.
dpa
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