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Vogts stapelt tief: «Keine Überraschung möglich»

Köln - Berti Vogts war in Plauderlaune. Die Rückkehr in das heimische Rampenlicht bereitete dem aserbaidschanischen Nationalcoach sichtliches Vergnügen. So locker wie vor dem EM-Qualifikationsspiel in Köln gegen Deutschland hat man den ehemaligen Bundestrainer selten erlebt.

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Lächelnd beantwortete er Fragen nach den Chancen seiner Mannschaft: «Man sagt, im Fußball ist alles möglich. Aber für uns ist keine Überraschung möglich.» Mit Verweis auf die Klasse des Gegners schloss er Wunder kategorisch aus: «Im Moment ist Deutschland die beste Mannschaft der Welt. Kein Team ist besser aufgestellt.»

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Berti Vogts beobachtet ein Training seines Teams. An Wunder gegen Deutschland glaubt er nicht.

Die Gelassenheit kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat Vogts im Duell mit dem WM-Dritten wenig zu verlieren. Niemand in Aserbaidschan erwartet einen Sieg. Gut 14 Jahre nach dem Höhepunkt seiner Karriere als Fußball-Lehrer, dem EM-Triumph mit der DFB-Elf in England, sieht er sich mehr als Entwicklungshelfer denn als Trainer. Stolz verweist er auf die Fortschritte, die der krasse Außenseiter seit seinem Amtsantritt im April 2008 gemacht hat: «Damals waren wir in der Weltrangliste 147., nun sind wir 105.»    

So perfekte Bedingungen wie beim DFB oder als Vereinstrainer in Leverkusen hat Vogts bei seinen weiteren Stationen nirgends vorgefunden. Weder in Kuwait, noch in Schottland, noch in Nigeria. Doch der Job in Aserbaidschan kommt einer Herkulesaufgabe gleich. Dort fristet der Fußball hinter den populäreren Sportarten Schach und Ringen ein Schattendasein. «In vier, fünf Jahren können wir Anschluss an das europäische Mittelmaß finden - mehr nicht», sagte Vogts.

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Erst nach konsequenter Intervention setzte der Coach in seiner Wahlheimat durch, dass mindestens drei Aserbaidschaner in jeder Mannschaft stehen müssen und das Fußball als Schulsport angeboten wird. Mannschaftskapitän Raschad Sadigow war voll des Lobes: «Was Vogts geleistet hat, ist enorm. Es gibt uns Spielern Selbstvertrauen, an der Seite eines solch erfahrenen Trainers arbeiten zu dürfen.»

Es spricht für die große Autorität des Weltmeister von 1974, dass die Spieler selbst dessen Kritik an ihrer Fitness klaglos hinnehmen. «Der Trainer muss das wissen», kommentierte Kapitän Sadigow die Vorwürfe von Vogts, der die zu geringen Trainingsumfänge in den Clubs monierte. Darüber hinaus machte er den Ramadan für das suboptimale körperliche Leistungsvermögen seiner Profis verantwortlich. Zwar habe sein Team mit Beginn der Vorbereitung auf die Partie vor acht Tagen mit dem Fasten ausgesetzt, sei aber noch immer geschwächt: «Diese Fastenzeit macht uns natürlich zu schaffen» klagte Vogts. So stimmten die Österreicher seiner Bitte zu, das erste EM-Qualifikationsspiel zu verlegen. «Dafür bin ich noch immer sehr dankbar», sagte Vogts.

Immerhin 16 bis 18 Tage verbringt der Deutsche bei laufendem Spielbetrieb im Monat in Baku. Er mag die Stadt, die Leute, das mediterrane Flair am Kaspischen Meer. Nicht zuletzt deshalb ist es durchaus vorstellbar, dass seine Tätigkeit als Nationalcoach nicht mit dem letzten EM-Qualifikationsspiel im Oktober 2011 zu Ende geht. Gleichwohl nutzte der 63 Jahre alte Vogts den Interview-Marathon der vergangenen Tage, um einen sehnlichen Wunsch in Erinnerung zu bringen. «Ich träume davon, in der Premier League oder in Amerika zu arbeiten. Wer nicht träumt, ist tot.»

dpa

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