Freitag, 27. April 2007 / 12:19 Uhr
Barcelona - Nur mühsam hielten sich die Bremer am Mythos vom «Wunder von der Weser» fest. Eher zaghaft erinnerte Trainer Thomas Schaaf nach dem deprimierenden 0:3 (0:1) bei Espanyol Barcelona an jene Spiele, in denen Werder scheinbar unaufholbare Rückstände umgedreht hat.
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«Dass wir in Bremen einiges bewegen können, haben wir schon öfter gezeigt», sagte der Coach mit Blick auf das zweite Halbfinalspiel des UEFA-Cups im Weserstadion. Aber Nationalspieler Miroslav Klose gab zu: «Das Wunder von der Weser, das ist schwer in den Kopf zu kriegen.»
Bremens Torhüter Tim Wiese geht nach dem 0:3 in Barcelona enttäuscht vom Platz.
Niedergeschlagen verließen die Bremer Barcelona, mit nur noch geringer Hoffnung, das Finale in Glasgow zu erreichen. «Das ist nicht sehr realistisch, das ist eher eine mathematische Möglichkeit», kommentierte Clubchef Jürgen L. Born. Zu schwach war der deutsche Meisterschaftsanwärter beim Zehnten der spanischen Primera Division aufgetreten, um aus der Partie Kraft und Hoffnung schöpfen zu können.
Der Blick auf die eigene Historie half da wenig, auch wenn Schaaf bereits Trainer war, als Werder am 7. Dezember 1999 gegen Olympique Lyon das bisher letzte der viel zitierten Wunder schaffte: Nach einem 0:3 bei Olympique Lyon gelang nach Treffern von Marco Bode, Andreas Herzog, Frank Baumann und Claudio Pizzaro noch ein 4:0 im Rückspiel.
Andererseits hat Espanyol schon schlechte Erfahrungen mit deutschen Mannschaften gemacht. 1988 war es ebenfalls im UEFA-Pokal, als den Spaniern selbst ein 3:0-Erfolg im Final-Hinspiel gegen Bayer Leverkusen mit dem heutigen Werder-Cotrainer Wolfgang Rolff nicht zum Gewinn der Trophäe reichte. «An das Endspiel darf Espanyol nicht mehr denken», schrieb die spanische Tageszeitung «Marca».
Doch Werder benötigt so oder so im Rückspiel eine enorme Leistungssteigerung. «Wir müssen so spielen, wie Espanyol heute, mit dem Messer zwischen den Zähnen», sagte Manager Klaus Allofs und fügte an: «Wir hatten dagegen heute nicht mal die Messer in der Tasche.»
Der Manager ging nach den Espanyol-Toren durch Moises Hurtado (20. Minute), Walter Pandiani (50. und Coro (87.) hart mit seiner Mannschaft ins Gericht und klagte: «Wir haben einfach nicht mit der nötigen Aufopferung gespielt, wie es in einem UEFA-Cup-Halbfinale nötig ist.» Auch die Spieler zeigten sich selbstkritisch. «Es lag daran, dass wir als Mannschaft ziemlich versagt haben, dass keiner auch nur annähernd an seine Leistung gekommen ist», sagte Klose.
Der Nationalspieler war dabei einer der schwächsten Bremer und wurde von den Werder-Fans böse beschimpft. «Wir wollen keine Bayern-Schweine», schrien sie angesichts der Meldungen über Verhandlungen mit den Münchnern. Dass die Spekulationen und Meldungen über Klose die Leistung beeinflusst haben könnten, verneinte Schaaf: «Das wäre ein Alibi.»
Der Coach war jedoch ungewohnt harsch und kritisch. «Wir müssen uns die eigene Nase putzen, wir haben bei den ersten beiden Gegentoren einfach nur zugeschaut», klagte der sonst mit Kritik eher zurückhaltende Coach. «Worüber ich mich besonders ärgere, ist das dritte Tor, als wir in Unterzahl so nach vorne spielen und leichtfertig den Ball verloren haben.»
Schaaf nahm auch Torwart Tim Wiese nicht in Schutz. «Das war das Ende einer Kette von Fehlern», sagte der Coach zu Wieses ungestümer Notbremse in der 58. Minute, als der herausstürmende Torwart Espanyols Kapitän Raul Tamudo umtrat und die Rote Karte bekam. Der Keeper, der von der UEFA für ein Spiel gesperrt wurde, fehlt nun im Rückspiel genauso wie der gelb-gesperrte Clemens Fritz.
Erklärungen für den völlig enttäuschenden Auftritt fand Schaaf nicht. Verteidiger Naldo sah die Ursache im psychologischen Bereich: «Von Kräfteverschleiß kann ich nichts sehen», antwortete Schaaf auf die Frage nach der Doppelbelastung durch UEFA-Cup und Meisterschaft - und psychologische Auswirkungen auf den Titelkampf wollte er auch nicht sehen: «Nein, das hat nichts damit zu tun.»
dpa
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