Sonntag, 5. Juni 2011 / 10:29 Uhr
Wien - Als Mario Gomez den «Fluch von Wien» besiegt hatte, küsste er dankbar den Torpfosten - nach dem Siegtor riss er sich jubelnd das Trikot vom Leib.
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«Fußball ist verrückt», erklärte der Bundesliga-Torschützenkönig, der beim 2:1-Sieg gegen Österreich mit seinem Doppelpack erfolgreich Vergangenheitsbewältigung betrieb und endlich auch im Deutschland-Trikot hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann. Aber nicht verbissen: «Es gibt keine Kampfansagen», konterte der 25-Jährige trocken die Frage nach dem Kampf mit Miroslav Klose, den er mit seinen Taten längst entfacht hat.
Sein großer Abend in Wien könnte der Wendepunkt für Gomez im Nationaltrikot gewesen sein. «Natürlich bin ich glücklich und froh. Ich wollte das Ruder herumreißen und habe es geschafft», sagte der Bayern-Torjäger erleichtert und stolz. Und schon am Dienstag in Baku gegen Aserbaidschan will er weitere Tore nachlegen. «Wir werden gewinnen, wenn wir konzentriert sind. Und dann können wir uns auf den Urlaub freuen, aber nicht davor», betonte Gomez.
Drei Jahre lang, seit dem deutschen 1:0 gegen die Österreicher bei der EM 2008, war Gomez «der Blinde mit der Lachnummer von Wien gewesen, der den Ball aus einem Meter nicht reinkriegt», wie er selbst bemerkte. Die Fans pfiffen ihn aus - nun feiern sie ihn.
Der EM-Fluch ist Geschichte. «Für das Pech, das ich damals hatte, hatte ich jetzt das Glück. Ich wurde belohnt», erklärte Gomez. Beim 1:0 fiel ihm der Ball im Strafraum glücklich vor die Füße und hoppelte danach in jenes Tor, in das er 2008 aus kürzester Distanz nicht getroffen hatte. «Ich habe zu keiner Zeit im Spiel an die Szene von damals gedacht. Aber als der Ball einmal über der Linie war, dann schon. Da sind mir ein paar Steine vom Herzen gefallen», erzählte Gomez. Und aus Dankbarkeit küsste er den Torpfosten.
«Das war wie gezeichnet, dass es hier in diesem Stadion so passiert», meinte Teammanager Oliver Bierhoff, der die Bedeutung dieses Tores betonte: «Die kleine Blockade im Kopf wurde gelöscht.»
Es war die Grundlage für das Kopfballtor, mit dem Gomez in der letzten Spielminute zum Matchwinner aufstieg. «Als Stürmer hofft man immer noch auf den einen Ball», sagte Gomez. «Perfekt» sei die Flanke von Philipp Lahm gewesen, «es war dann nicht mehr so schwer».
Gomez hat die Gunst der Stunde genutzt. Klose (Rippenprellung) fiel aus - und er schlug als Vertreter zu, und das gleich doppelt. Seine Länderspieltore 17 und 18 waren die bislang wertvollsten für Deutschland - zuvor traf er fast nur in Testspielen. Konkurrent Klose wird nächste Woche 33 Jahre alt, Gomez dagegen ist erst 25. Die Zeit und der Trend sprechen für den Herausforderer: «Ich werde versuchen so weiterzuspielen, dann hat der Trainer die Qual der Wahl.»
Joachim Löw genießt diese Situation. Endlich kann er in wichtigen Spielen nicht nur auf Klose zählen. Auch seine große Geduld mit Gomez beginnt sich auszuzahlen. «Er strotzt nach einer überragenden Saison vor Selbstbewusstsein», lobte der Bundestrainer.
Löw will im Hinblick auf die EM 2012 einen Konkurrenzkampf auf allen Positionen - auch vorne. «Mario war für mich schon lange ein Stammspieler», erklärte der Bundestrainer, der keine Ranglisten erstellen möchte. «Jetzt ist Miro Klose nicht da. Daher ist es müßig, über diese Dinge zu reden.» Auch Gomez genoss den Augenblick: «Es war jetzt nur ein Spiel und ein Sieg - aber ein schöner Moment.»
dpa
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