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Löws EM-Auslese: «Ohne Experimente kein Erfolg»

Baku - Top in der Qualifikation, konsequent beim Jugendkurs - Joachim Löw hat seine zentralen Vorhaben im Übergangsjahr von der WM in Südafrika hin zur kommenden EM-Saison zielstrebig vorangetrieben.

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«Es ist imponierend, wie wir Qualifikationsrunden nach Turnieren bewältigen», bilanzierte der Bundestrainer schon vor dem Saisonfinale in Baku gegen Aserbaidschan hochzufrieden. Die von ihm weiter verjüngte Mannschaft habe «Großartiges geleistet».

Zielstrebig

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Bundestrainer Joachim Löw (M) stimmt seine Spiele auf die Partie gegen Aserbaidschan ein.

Löw hat seine Gangart verschärft: Die Ära Michael Ballack in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist nur offiziell noch nicht beendet. Und der Verjüngungsprozess soll für die Mission «Titelgewinn 2012» unvermindert weitergehen. «Wir brauchen 20 bis 22 gleichwertige Spieler», sagte Löw mit Blick auf die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine, wo die übermächtigen Spanier «gekippt werden müssen», wie Real-Madrid-Profi Sami Khedira forsch erklärte: «Am besten von uns.»

40 Spieler hat Löw im Nach-WM-Jahr eingesetzt, darunter sieben Debütanten wie die Dortmunder Shooting Stars Mario Götze (19) und Sven Bender (20) sowie den künftigen Leverkusener André Schürrle (20). Die Jungen beschleunigen den Umbau des Kaders, forcieren den Konkurrenzkampf. «Sie machen Druck», wie Teammanager Oliver Bierhoff in Baku betonte. Löw kann personelle Schnitte rascher vollziehen: «Ich hänge die Messlatte viel höher als früher», bestätigte er.

Ein Blick auf den WM-Kader 2010 belegt das. Südafrika-Fahrer wie Marko Marin, Piotr Trochowski, Serdar Tasci oder Stefan Kießling wurden ausgemustert. Langjährige Teammitglieder wie die Hamburger Marcell Jansen und Heiko Westermann oder auch der von Verletzungen geplagte Stuttgarter Cacau stehen auf der Kippe. «Wenn kein Fortschritt zu erkennen ist, reagiere ich», sagte Löw.

Sein klar formulierter Anspruch, Welt- und Europameister Spanien ablösen zu wollen und «in Europa irgendwann auch sportlich die Nummer eins zu sein», erfordert eine stetige Weiterentwicklung. Und die Messlatte von Löw heißt internationale Klasse, Bundesligaspitze allein genügt ihm nicht. «Diesen Anspruch werden nicht alle unsere jungen Spieler erfüllen», weiß der 51-Jährige.

Das WM-Gerüst von 2010 wird aber auch das EM-Fundament 2012 bilden. Manuel Neuer im Tor, Kapitän Philipp Lahm in der Abwehr, das Mittelfeldduo Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, Spielmacher Mesut Özil und auch WM-Torschützenkönig Thomas Müller haben sich als feste Größen für das nächste große Turnier etabliert.

Abwehrchef Per Mertesacker, Torjäger Miroslav Klose und Lukas Podolski genießen ebenfalls noch den Status als gesetzte Größen. Aber der Druck auf die Platzhirsche wächst. Mario Gomez bedrängt mit jedem weiteren Treffer den Turnierspezialisten Klose, «Herausforderer» Schürrle sitzt Podolski im Nacken - und in der Innenverteidigung freut sich Löw nach Jahren des Engpasses über «viele Optionen».

Mertesacker, Friedrich, Badstuber, Hummels, Höwedes, Boateng - die Auswahl ist größer geworden. Und es kann rasend schnell gehen: Der Gewinner des Jahres schien lange Bayern-Profi Holger Badstuber zu sein, bis Dortmunds Meisterspieler Mats Hummels auf der Zielgeraden der Saison auch im Nationalteam zum Mann der Zukunft avancierte.

Sein erster Punktspieleinsatz beim 2:1 gegen Österreich hatte Signalwirkung. Der 22-jährige Hummels wertete ihn zurecht auch selbst als «ein kleines Zeichen», aus dem er ein dauerhaftes machen möchte: «Es ist natürlich mein Ziel, immer zu spielen.»

Neu ausgeschrieben wird in der kommenden EM-Saison, die am 10. August in Stuttgart mit dem Test gegen Rekordweltmeister Brasilien beginnt, nach Lahms erwartetem Seitenwechsel beim FC Bayern die Position des rechten Außenverteidigers. Aktuell drängt sich kein Spezialist aus der Bundesliga auf; der Hoffenheimer Andreas Beck oder Sascha Riehter (VfL Wolfsburg) genügten höchsten Ansprüchen nicht. Löw wird darum auch in der EM-Saison in den Testspielen wieder viel ausprobieren, denn: «Ohne Experimente gibt es auch keinen Erfolg.»

dpa

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