Mittwoch, 8. Juni 2011 / 15:24 Uhr
Baku - Ab in den Urlaub. Als Philipp Lahm & Co. früh um halb fünf nach dem Nachtflug aus Baku hundemüde in Frankfurt gelandet waren, konnten sie ein «Riesenkompliment» von Joachim Löw mit auf die direkte Weitereise in die Sommerferien nehmen.
anzeige
«Ich bin wirklich stolz, was die Mannschaft in dieser schwierigen Saison geleistet hat. Die Spieler haben sich ihren Urlaub absolut verdient», sagte der Bundestrainer nach dem erfolgreichen Saisonabschluss mit dem 3:1 (2:0)-Erfolg in der EM-Qualifikation gegen Aserbaidschan.
Löw selbst wird erst in «zwei, drei Wochen» durchschnaufen. Er ist gedanklich schon mit der EM-Saison beschäftigt. «Zeitnah» soll das Abschlussgespräch mit Kapitän a.D. Michael Ballack stattfinden. Kommt es zum Abschiedsspiel gegen Brasilien am 10. August?
Nachdem seine weiter verjüngte Mannschaft das EM-Ticket «zu 98 Prozent» gebucht hat, wie Löw vorrechnete, beginnt nun der Kampf jedes Einzelnen um einen der 23 EM-Kader-Plätze. Löw will «Profile erstellen» und vor allem den jungen Spielern Aufgaben mitgeben, «in welchen Bereichen sie sich verbessern können». Die knallharte Auslese beginnt im August - und Löw will mehr: «Ich glaube, dass wir in der individuellen Verbesserung den größten Sprung machen können.»
Dabei steht sein junges Team bei Halbzeit zwischen WM und EM mit 21 Punkten als Qualifikations-Bester in Europa da. «Das Quartier können wir mit Sicherheit buchen, da brennt nicht mehr so viel an», erklärte Lahm, der beim Saison-Kehraus in Baku mit 27 Jahren der Senior einer im Schnitt 23,45 Jahre jungen «Bubi-Elf» war.
Auch Ex-Bundestrainer Berti Vogts, dessen Team sich gegen den großen Favoriten achtbar geschlagen hatte, geriet ins Schwärmen über die «vielen jungen Top-Class-Spieler», über die Deutschland verfüge. «Ich wünsche, dass sie den Titel holen in Polen und der Ukraine.»
Löw weiß um die Herkulesaufgabe, Welt- und Europameister Spanien vom Thron zu stürzen. In Aserbaidschan reichte auch eine unerfahrene und ersatzgeschwächte Truppe, bei der «nicht mehr viel drin war im Tank», wie Mats Hummels zugab. Die größere individuelle Klasse und Effektivität reichte zu drei Toren von Mesut Özil, Mario Gomez und Andre Schürrle. Murad Hüseynov (89.) gelang der umjubelte Treffer für die Gastgeber, bei denen der teilweise angefeindete Vogts als Trainer durchhalten will. «Und wir werden auch noch einige Spiele gewinnen», versprach der 64-Jährige, dessen Vertrag im November endet.
Sein Nach-Nach-Nach-Nachfolger Löw kann mit acht Siegen, drei Unentschieden und nur einer Niederlage im Test gegen Australien (1:2) ein beachtliches Zwischenjahr vorweisen. «Es war eine perfekte Saison», verkündete Lahm. Der Kapitän bildet neben Torwart Manuel Neuer, Abwehrchef Per Mertesacker, den «Sechsern» Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger, Spielmacher Özil, WM-Torschützenkönig Thomas Müller und den Turnierspezialisten Lukas Podolski und Miroslav Klose das stabile und WM-erprobte Gerüst. «Ich weiß, dass unsere Mannschaft im Kern eingespielt ist», sagte Löw zur verheißungsvollen Basis.
Aber die Etablierten bekommen Druck. Gomez bedrängt Klose, der mit zwei Länderspieltoren aufwartende André Schürrle sitzt Podolski im Nacken. Und in der Abwehr wollen Mats Hummels, Holger Badstuber oder auch der forsch seine Premieren-Chance nutzende Benedikt Höwedes das WM-Duo Mertesacker/Friedrich verdrängen. «Die Auswahl ist größer geworden, keine Frage», stellte Löw zufrieden fest.
Der Schwarzwälder kann nun tun, was er am liebsten macht, tüfteln und ausprobieren. «Wir können jetzt in das zweite Halbjahr gehen, ohne in der EM-Qualifikation unter großen Druck zu geraten. Das gibt mir die Möglichkeit, in den Qualifikationsspielen auch mal den einen oder anderen Spieler bei einer noch hitzigeren Atmosphäre wie in der Türkei zu sehen», verriet er. Dazu gibt es wertvolle Tests gegen Brasilien, EM-Gastgeber Polen und den Erzrivalen Niederlande.
Löw will fördern und fordern. Er ist gerade bei den Talenten wie Schürrle oder Mario Götze gespannt, «wer noch einmal einen Sprung nach vorne machen kann». Er will die Zeit nutzen: «Letztendlich muss ich erst nächstes Jahr im Mai nominieren.» Das EM-Wunschteam müsse nicht schon im Herbst 2011 stehen und eingespielt sein, betonte Löw: «Das alles Entscheidende ist immer die Turniervorbereitung.»
dpa
0 Kommentare | Kommentare verstecken
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
Fritz Walter jun.: Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
Kommentar schreiben