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Löw schaltet auf Testmodus

Düsseldorf - So macht Joachim Löw der Bundestrainer-Job richtig Spaß. Nachdem das EM-Ticket mit einem europameisterlichen Siegeszug auf dem schnellsten Weg gelöst ist, kann der 51-Jährige nach der 6:2-Gala gegen Österreich gleich auf Testmodus für das Unternehmen Titelgewinn 2012 umschalten.

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Löw gönnt sich den früher unvorstellbaren Luxus, Fußball-Genius Mesut Özil, Vizekapitän Bastian Schweinsteiger und Torwart Manuel Neuer mit Blick auf die strapaziösen kommenden Wochen bei ihren Vereinen in einen Länderspiel-Urlaub zu schicken. «Meine Entscheidung ist ein Teil unseres sportlichen Konzepts», begründete Löw die wohlüberlegte Verschnaufpause für drei Säulen der DFB-Elf.

Locker

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Bundestrainer Joachim Löw gibt sich vor der Partie gegen Polen recht locker.

«Mir wird jetzt die Möglichkeit gegeben, das eine oder andere auszuprobieren Richtung 2012», betonte der Bundestrainer. Beim EM-Probelauf am Dienstag in Polen soll etwa Mario Götze als Spielmacher anstelle von Özil wirbeln. Auch Torwart Tim Wiese und Abwehrchef Per Mertesacker rücken neu in die Startelf, wie Löw bereits am Sonntag verriet. Er nominierte zudem den Leverkusener Neulings Lars Bender nach. Damit reisen inklusive des angeschlagenen Schalkers Benedikt Höwedes am Montag 19 Akteure nach Danzig.

Auf die erste Özil-UND-Götze-Show müssen die Fans also weiter warten. Bei der Offensiv-Gala gegen Österreich hatte Ballvirtuose Özil in Gelsenkirchen ganz besonders die Zuschauer verzückt, die die deutsche Rasselbande schon nach dem ersten erreichten Etappenziel wie Europameister feierten. Aber so sehr die EM-Helden in spe die Ovationen genossen, sie blieben im Siegesrausch realistisch.

«Wir können glücklich sein, aber es war nur Österreich», kommentierte Schweinsteiger. «Von Weltklasse kann man nur reden, wenn in großen Spielen große Leistungen gebracht werden. Wenn wir dieses Spiel abziehen in einem Weltmeisterschaftsfinale, dann kann man von Weltklasse sprechen, aber jetzt haben wir die Quali geschafft», betonte auch Thomas Müller.

Die Skifahrer-Nation Österreich ist längst kein Maßstab mehr für eine von fußballerischem Talent, jugendlichem Elan und einem harmonischen Betriebsklima getragene Mannschaft, die Löw mit großem Geschick und viel Einfühlungsvermögen wie etwa beim Umgang mit Lukas Podolski zu immer neuen Höhen führt. «Wir haben die Qualifikation so früh wie möglich geschafft. Das ist absolut bemerkenswert», lobte der Bundestrainer. Zurücklehnen aber darf sich trotzdem kein Spieler.

Geht auch nicht, denn nun eröffnet Löw den Kampf um die 23 persönlichen EM-Tickets. Und jeder möchte einen Platz in diesem hochbegabten Ensemble, wie es der deutsche Fußball seit Jahrzehnten nicht mehr besessen hat. «Ich kann deutlich sagen, dass es die beste Nationalmannschaft ist, in der ich gespielt habe», sagte Miroslav Klose, der immerhin seit zehn Jahren dabei ist. Das sahen auch die entzückten Zuschauer beim Torfestival von Klose (8. Minute), Özil (23./47.), Podolski (28.), André Schürrle (83.) und Götze (89.) so.

«Das war Freude pur. Der deutsche Fußball ist stolz auf diese Mannschaft», schwärmte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der sich am Sonntag beim 125. Geburtstag seines Heimatvereins VfL Altendiez auf eine prominente Nationalelf-Abordnung um Löw und Kapitän Philipp Lahm freute. Bis zu 180 000 Euro Erfolgsprämie pro Spieler muss der DFB für das EM-Ticket springen lassen - insgesamt fast vier Millionen.

Im nächsten Jahr könnte erstmals seit dem EM-Triumph 1996 in England wieder eine Titelprämie zur Auszahlung kommen. «Mit uns ist zu rechnen. Wir spielen um den Titel und wollen ihn auch», antwortete Podolski, der 495 Minuten Torflaute im Nationaltrikot beendete und im neuen offensiven 4-1-4-1-System neben Özil und Torvorbereiter Thomas Müller in EM-Form aufspielte. «Wir haben die Österreicher 90 Minuten nicht atmen lassen, das war der Schlüssel», lobte Löw.

Der Bundestrainer kann nun in den kommenden Monaten tüfteln, sichten und puschen. «Der Konkurrenzkampf treibt die Spieler an, die Spannung hochzuhalten», erklärte Löw. Gerade im Herzzentrum, dem Mittelfeld, herrscht Qualität im Überfluss. Ausnahmetalent Götze musste 84 Minuten auf der Bank schmoren, sechs Minuten reichten ihm trotzdem für ein Zaubertor. «Er ist 19, und man sollte so einen Spieler auch nicht überfordern», mahnte der behutsame Förderer Löw.

Die Frage, ob Deutschland aktuell die Top-Nation in Europa ist, ist Löw zu hoch gegriffen. «Das würde ich nicht unbedingt sagen. Wir sind eine sehr, sehr gute Mannschaft», antwortete er. «Es gibt natürlich viele Mannschaften, die mithalten können», bemerkte Özil - ein Satz, der viel über das gewachsene Selbstbewusstsein aussagt.

Abgerechnet wird erst vom 8. Juni bis 1. Juli 2012. «Es gibt bei der EM wahrscheinlich eine Gruppe von Favoriten», meinte Löw, der neben Welt- und Europameister Spanien die Niederlande, Portugal, England und Frankreich aufzählte. «Aber unsere Mannschaft gehört schon auch zu den besten in der Welt», betonte der Bundestrainer.

Der Testspielausflug nach Polen wird zur Reise in die Zukunft, denn das Hotel Dwor Oliwski in Danzig hat der DFB als EM-Standort auserkoren. «Ich denke, dass wir in den nächsten 14 Tagen die Vorbereitung fixieren können», verriet Teammanager Oliver Bierhoff. Bis zur Vollendung der Titelmission müssen sich die berauschten schwarz-rot-goldenen Fußballfans noch etwas länger gedulden.

Wiese - Träsch, Mertesacker, Boateng, Lahm - Rolfes - Schürrle, Götze, Kroos, Podolski - Klose

dpa

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