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Brasilien feiert auch nach WM-Niederlage

Rio de Janeiro - Fußball paradox in Brasilien: Die 0:2- Niederlage gegen Deutschland im WM-Finale der Frauen wurde im fußballverrückten südamerikanischen Land fast wie ein Sieg gefeiert.

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«Nicht viele wissen, dass Brasilien im Frauen-Fußball nicht zur Weltspitze gehört. Deshalb war die Leistung bei der WM für mich wie ein Titelgewinn. Das war Gold wert», meinte der angesehene Sportjournalist Paulo Vasconcelos. In Kneipen, Restaurants, Einkaufszentren und am Strand trugen die Brasilianerinnen auch nach dem Endspiel stolz Trikots der «Seleçao». Ungewöhnlich in einem Land, in dem Frauenfußball bis 1982 verboten und bis vor wenigen Jahren noch als «Lesbensport» verpönt war.

Vorreiterrolle

Brasiliens weiblicher Kapitän Aline (l) im Finale im Kampf mit Birgit Prinz.

«Nach dem Spiel haben wir uns gemeinsam an die Schwierigkeiten erinnert, die wir alle durchmachen mussten, um so weit zu kommen. Wir hatten meistens überhaupt keine Unterstützung», sagte Teamkapitän Aline weinend zu brasilianischen Medien. Tränen, die aber doch eher der Freude entsprangen, wie auch in Dois Riachos. Die Geburtsgemeinde der Weltfußballerin Marta im armen brasilianischen Nordosten hatte für ihre knapp 10 000 Einwohner ein Volksfest vorbereitet. Eine Großleinwand wurde auf dem staubigen Hauptplatz aufgestellt, und zwischen dem Bürgermeister und dem Eisverkäufer der Stadt verfolgte Martas Mutter Terezinha das Spiel von der ersten Stuhlreihe aus.

«Das Leben geht weiter. Diese Mädchen werden uns noch viel Freude bereiten. Hochleistungssport ohne jede Unterstützung zu betreiben ist alles andere als leicht», sagte die 60-Jährige. Die Sportzeitung «Gazeta Esportiva» feierte unterdessen eine «historische WM- Teilnahme». «Unser Fußball war der schönste, heimste in China am meisten Lob ein», schrieb das Blatt. Kolumnist Ledio Carmona forderte auf der Internetseite des TV-Sportsenders SportTV «Applaus für Brasilien»: «Die Mädchen waren Heldinnen, weil wir längst nicht die Infrastruktur haben, die die Deutschen genießen.»

Anerkennung gab es vonseiten der brasilianischen Medien vor allem für eine Deutsche: Torhüterin Nadine Angerer. «Sie war inspiriert und eine ihrer Paraden war Hollywood-reif», schrieb die Zeitung «Estado de São Paulo» in ihrer Onlineausgabe. Sie brachte das Finale auf den Nenner «(Brasiliens) Zauber gegen (Deutschen) Pragmatismus».

«Brasilien, wir brauchen Unterstützung», war auf einem Transparent zu lesen, das die Brasilianerinnen bei der Siegerehrung vor die Kameras hielten. Wie dringend diese Unterstützung ist, beweist der Fall von Kapitän Aline. Die 25-Jährige bekommt von der Stadt Salto im Bundesland São Paulo 250 Real, also etwa 100 Euro pro Monat, dafür dass sie für den Stadtverein aufläuft. Dabei musste sie als Kind die Vorurteile des eigenen Vaters Francisco ertragen, der die Kickerei seiner Tochter mit Jungs als ehrenrührig empfand. «Ich habe sie immer angeschrien, habe mich versteckt, bis sie eines Tages in einem Spiel fünf Tore schoss. Das hat mir die Augen geöffnet.»

«Einige unsere Nationalspielerinnen sind fast Arbeitslose, die nicht einmal Gehalt, sondern eine Kostenhilfe bekommen», schrieb das Sportportal «Globoesporte». Es bestehe nun die Gefahr, dass Funktionäre und Medien den Frauenfußball und das Marta-Fieber nach der WM-Niederlage wieder völlig vergessen. Der Nationalverband CBF kündigte vor dem Finale jedoch die Gründung einer Landesmeisterschaft an - ein Versprechen, dass es aber auch schon früher gab. «So wie ich es gelernt habe, sollen auch die Funktionäre und Unternehmer lernen und den Frauenfußball künftig mehr unterstützen. Titel kommen nicht von allein», weiß Alines Vater.

dpa

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