Dienstag, 2. Oktober 2007 / 13:53 Uhr
Frankfurt/Main - Millionen vor den TV-Schirmen, Menschenmassen am Frankfurter Römer und ein neues «Dream Team» für die Fußball-Nation: Nach dem zweiten Weltmeisterschafts-Triumph hintereinander ist Frauen-Fußball in Deutschland mehr denn je in Mode gekommen und sprengt alle bisher bekannten Grenzen.
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«Vor vier Jahren war der Empfang schon toll, aber das hier ist der absolute Wahnsinn», krächzte Stürmerin Martina Müller überglücklich ins Mikrofon. «Unglaublich», «überwältigend», «ein Hammergefühl», sagten die anderen Championessen beim Bad in der Menge - rund 15 000 Fans bereiteten ihnen am Frankfurter Rathaus einen begeisternden Empfang, den am TV-Gerät stattliche 6,59 Millionen Anhänger in ARD und ZDF live verfolgten. Bis zu 11,53 Millionen Zuschauer in der Spitze hatten tags zuvor vor dem Fernseher das finale 2:0 gegen Brasilien verfolgt.
Die deutschen Spielerinnen feiern den WM-Titel.
Beim Empfang im Frankfurter Kaisersaal fühlten sich die WM- Heldinnen wie Popstars, schrieben Autogramme, wurden geherzt, geküsst und gedrückt. Profihaft überstanden Bundestrainerin Silvia Neid sowie Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz und ihre Mitstreiterinnen den letzten Party-Marathon nach durchfeierter Nacht im Mannschaftshotel Hua Ting in Shanghai und dem knapp elfstündigen Rückflug aus dem Reich der Mitte. «Jetzt nach Hause, duschen und ins Bett», sagte Mittelfeld-Ass Renate Lingor und sehnte sich einfach nur nach ein bisschen Ruhe.
Viel Zeit zum Ausschlafen bleibt den Nationalspielerinnen jedoch nicht. Schon am Wochenende müssen sie beim dritten Spieltag der Bundesliga wieder ihren «Mann» stehen. «Es wird hart, sich wieder in den Alltag zu integrieren», sagte Sandra Minnert aus Bad Neuenahr. «Das gehört zum Geschäft», meinte Steffi Jones vom 1. FFC Frankfurt, die kurz vor der WM ihre internationale Karriere beendet hatte und mit Wehmut das Treiben der einstigen Mitstreiterinnen als TV- Kommentatorin beobachtete. Jones: «Ich wäre schon gern dabei gewesen.»
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«Das nächste große Ziel sind die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Die Goldmedaille wäre das i-Tüpfelchen», blickte DFB- Sportdirektor Matthias Sammer im Hochgefühl nach vorn. Für DFB- Präsident Theo Zwanziger, der als «König des Frauenfußballs» geadelt wurde, ist vorerst die Wahl des Ausrichters der WM 2011 Ende Oktober in Zürich das anvisierte Ziel. «Dafür brauchen wir die Unterstützung aller. Unsere Chancen sind richtig gut», glaubt der DFB-Chef.
«Der Erfolg möge auf den gesamten Frauen- und Mädchenfußball abstrahlen», wünschte sich Zwanziger. Er weiß, dass dafür die Professionalisierung der Bundesliga im Eiltempo fortschreiten muss. «Die Nationalmannschaft wird den Weg nicht allein gehen können. Die Clubs müssen nachziehen», erklärte Potsdams Torfrau Nadine Angerer, die neben Birgit Prinz zum Gesicht der WM 2011 auserkoren wurde.
Dabei ist schon 2007 das Jahr der Nadine Angerer. Ein Kreuzbandriss und eine Muskelverletzung der einst wie Oliver Kahn schier unantastbaren Silke Rottenberg beförderten die 28-jährige Torhüterin, die alle nur «Natze» rufen, zur Nummer 1. Frei nach dem Motto «die Königin ist tot, es lebe die Königin». Die ist sie nach 540 Minuten ohne Gegentor nun auch in der WM-Historie, der Rekord des Italieners Walter Zenga (517) aus dem Jahr 1990 ist Geschichte. «Das bedeutet mir nicht viel. Wichtig ist, dass wir Weltmeister sind», sagte die in Lohr am Main geborene Angerer, der unruhige Tage mit vielen Interviews und Fernsehauftritten bevorstehen.
dpa
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