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Rassismus-Debatte in England - FA: Nur Einzelfälle

London - Großbritannien habe «immer noch ein Rassismus-Problem» - das sagte der britische Premier David Cameron am Montag. Das zeigt sich derzeit auch in den Fußball-Stadien. Drei Fälle sorgten jüngst für Schlagzeilen. Der englische Fußballverband spricht aber von Einzelfällen.

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Kaum ein Spieltag in Englands Premier League ohne Rassismus-Vorwürfe. Die hitzige Diskussion über die Acht-Spiele-Sperre für Liverpools Luis Suárez war gerade erst abgeebbt, da wurde ein Liverpool-Anhänger festgenommen, weil er Oldhams Tom Adeyemi im FA-Cup-Spiel rassistisch beschimpft haben soll. Und am 1. Februar ist Englands Nationalmannschaftskapitän John Terry vor einem Londoner Gericht angeklagt - wegen rassistischer Beleidigung eines Gegenspielers. Bald will sich sogar ein Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments mit dem Thema «Rassismus im Sport» befassen.

Angeklagt

Foto: dpa Bild vergrößern

John Terry ist der prominenteste Spieler, der mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert ist. Foto: Paul Buck

«Wir betonen, dass die jüngsten Episoden zwar viel Beachtung in der Öffentlichkeit fanden, es sich aber um Einzelfälle handelt», erklärte ein Sprecher des englischen Verbandes (FA) auf dpa-Anfrage. Dabei sind die aktuellen Negativ-Schlagzeilen für den englischen Verband doppelt bitter, geht doch kein Verband der Welt so kompromisslos gegen Missstände im Fußball vor. Die Hooligans wurden erfolgreich aus den Stadien verbannt. Auch für rassistische Äußerungen der Fans gibt es jahrelange Stadionverbote.

Mit der Sperre gegen den uruguayischen Stürmer Suárez wollte die FA wohl auch ein Exempel statuieren. Suárez soll Manchester Uniteds Patrice Evra nach dessen Aussage Mitte Dezember im Liga-Spiel mehrfach auf Spanisch «negro» genannt haben, Liverpool reagierte mit einem harschen Statement auf den Verlust seines besten Angreifers und zweifelte die Ergebnisse des 115 Seiten langen Untersuchungsberichts an. Coach Kenny Dalglish verteidigte Suárez mit dem Verweis auf sprachliche Gepflogenheiten in Uruguay: «Seine Frau nennt ihn so - und ich glaube nicht, dass er sich von ihr angegriffen fühlt.» Das europäische Antirassismus-Fußballnetzwerk FARE tadelte Liverpools Umgang mit der Affäre als «völlig inakzeptabel».

Auf den Fall Suárez hatte FIFA-Präsident Joseph Blatter mit verharmlosenden Worten reagiert («Hinterher sollte man sich die Hand geben und vergessen»), die besonders in Großbritannien eine Welle der Empörung lostraten. Selbst David Beckham nannte Blatters Äußerungen «widerlich».

Beckhams Ex-Nationalmannschaftskollege Terry ist der Prominenteste, der sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert sieht. Er soll am 23. Oktober im Premier-League-Spiel gegen Anton Ferdinand (Queens Park Rangers) ausfallend geworden sein. Der Chelsea-Profi beteuert seine Unschuld. Ferdinand bekam Morddrohungen, wurde via Twitter verhöhnt.

Wie viele Strafen in den vergangenen Jahren für rassistische Vergehen verhängt wurden, will die FA nicht sagen. Sie verweist nur darauf, dass sie «eines der angesehensten Anti-Rassismus-Programme weltweit» habe. Es heißt «Kick it out». Es gebe Aktionswochen, das Nationalteam sei jüngst mit «Kick it out»-Schweißbändern aufgelaufen, man setze auf Erziehung der Clubs und Schulungen der Stadion-Kräfte.

Zudem soll die Zahl der dunkelhäutigen Trainer im englischen Profifußball erhöht werden (derzeit sind 90 der 92 Coaches weiß). Es könnte eine Regel aus der US-Football-Liga NFL kopiert werden. Demnach muss für jeden freien Trainerposten immer mindestens ein schwarzer Kandidat eingeladen werden. Immerhin warnte erst am Montag Premier David Cameron, Großbritannien habe «immer noch ein Rassismus-Problem».

dpa

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