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Ex-Trainer bestürzt über Krawalle: Neue Dimension

Braunschweig - Der langjährige Trainer des Clubs Al-Ahli aus Kairo, Rainer Zobel, hat mit Bestürzung auf die blutigsten Krawalle in der ägyptischen Fußballgeschichte reagiert. Ein anderer Ex-Coach, Hans-Jürgen «Dixie» Dörner, sieht in den Gewalt-Exzessen einen schweren Schlag für Ägypten.

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«Es war ein Schock, es war deprimierend», sagte der ehemalige Bundesligaprofi der Nachrichtenagentur dpa in Braunschweig. «Ich wusste, dort sind Menschen, die ich noch kenne.» Ein ihm persönlich bekannter Spieler und ein Funktionär seien leicht verletzt worden. Nach dem Fußballspiel in Port Said zwischen den rivalisierenden Clubs Al-Masri und der Gastmannschaft Al-Ahli aus Kairo war es zu Gewaltexzessen gekommen. Mehr als 70 Menschen starben, rund 1000 wurden verletzt.

Bestürzt

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Rainer Zobel trainierte von 1998 bis 2000 den Club Al-Ahli aus Kairo. Foto: Peter Endig

Der ehemalige FC-Bayern-Profi Zobel war von 1998 bis 2000 Trainer bei Al-Ahli und holte mit dem Traditionsclub dreimal die ägyptische Meisterschaft. Unruhen nach Fußballspielen hat er damals auch erlebt. «Wir mussten mit gepanzerten Autos aus dem Stadion gebracht werden, denn die Konkurrenz zwischen den großen Clubs ist groß.» Der 63-Jährige betonte: «Die Krawalle haben eine neue Dimension erreicht. Dass diese innerhalb des Stadions stattfanden, ist für mich neu.»

Zobel kritisierte die Rolle der Sicherheitskräfte. «Es ist unvorstellbar, dass Polizei und Militär wohl vor Spielende abgezogen wurden.» Nun müssten die Hintergründe schnell aufgearbeitet werden. Auch der brasilianische Al-Ahli-Stürmer Fábio Júnior hat schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben. Im Telefoninterview des Senders «SportTV News» berichtete der 29-Jährige von bedrohlichen Szenen. «Wir waren in den Umkleidekabinen. Die Fans wollten rein, und es gab fast keine Sicherheitsvorkehrungen. Die ägyptische Polizei kümmert sich um nichts, für sie ist alles in Ordnung», kritisierte der Brasilianer, der nach den Ausschreitungen über eine vorzeitige Rückkehr in seine Heimat nachdenkt.

Er glaube, dass die Gewalt den ägyptischen Fußball zerstöre, sagte Fábio Júnior. «Die Fans sind fanatisch, aber nicht wie in Brasilien, wo es auch Gewalt gibt, aber nicht mit so vielen Toten wie hier.» Der Fußball-Profi schilderte, wie die Fans des gegnerischen Clubs Al-Masri in der zweiten Halbzeit immer wieder aufs Spielfeld rannten. Nach dem Abpfiff hätten sie dann jeden angriffen, auch den Vereinsarzt und den Physiotherapeuten. «Sie versuchten, in die Umkleidekabinen einzudringen und attackierten unseren Torwart.» An den Krawallen waren Fans beider Clubs beteiligt.

Hans-Jürgen «Dixie» Dörner, 100-facher DDR-Nationalspieler, war ebenfalls Trainer von Al-Ahli. Er sieht in den tödlichen Stadion-Krawallen einen schweren Schlag für Ägypten. «Das ist natürlich für den ägyptischen Fußball, für das ägyptische Volk, für das ägyptische Land eine Riesen-Niederlage», sagte Dörner in Dresden der Nachrichtenagentur dpa.

Der 61-Jährige Dörner trainierte von Oktober 2000 bis Juni 2001 die ägyptische Spitzenmannschaft. «Natürlich ist es auch in meiner Zeit vorgekommen, dass es zu Ausschreitungen gekommen ist, weil natürlich die Sicherheit in den Stadien nicht so gegeben ist», sagte Dörner. Er sei damals regelmäßig mit Armee-Eskorte zu den Spielen gefahren. Trotzdem habe er mitten in Kairo gelebt und sich dort nie bedroht gefühlt.

«Das sind verfallene Stadien, in denen die sogenannten Fans Gegenstände finden, um Steine oder Stöcke auf die Mannschaften beziehungsweise auf die Schiedsrichter zu werfen», sagte Dörner. Auch ihm selbst sei das passiert. Wenn jetzt ein Angebot aus Ägypten käme, würde er es wahrscheinlich ablehnen. Derzeit betreibt der frühere Libero der SG Dynamo Dresden eine Fußballschule in Dresden.

Zobel-Homepage

Interview, SportTV, globo.ccom

dpa

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