Sonntag, 16. September 2012 / 15:40 Uhr
München - Am Trachtentag hatten die Bayern ihr müheloses 3:1 über Mainz 05 längst wieder abgehakt. Schon eine Woche vor Beginn des Oktoberfestes posierten die Münchner Fußballstars für ihre Sponsoren in Lederhosen.
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Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm & Co. mussten in der angrenzenden Turnhalle gar mehrmals ihre Kluft wechseln, um sich in verschiedensten Trachtenausführungen den Kameras zu präsentieren. Harte Medienarbeit nur Stunden nach einem mühelosen Bundesligaerfolg. Eines blieb aber gleich: Wie schon gegen Mainz war Javier Martínez der gefragteste Mann bei den zahlreichen Journalisten, auch wenn die Rekord-Neuerwerbung da nur eine Viertelstunde gespielt hatte.
Bastian Schweinsteiger (l) und Javier Martínez hatten beide ihren Anteil am Bayern-Sieg. Foto: Andreas Gebert
Doch auch mit einem 40 Millionen Euro teuren Kurzzeit-Martínez und gegen Mainz ganz ohne die angeschlagenen Franck Ribéry und Arjen Robben verlief der Auftakt in die erste heiße Saisonphase schon mal ganz nach Bayern-Wunsch. Eine maximale Ausbeute von neun Punkten aus drei Bundesligapartien, starke 12:2 Tore und obendrein ein knapper Vorsprung auf den Lieblingsrivalen Borussia Dortmund sind kleine Indizien für wiedergewonnenes Selbstbewusstsein beim Münchner Rekordchampion. «Wenn man zwei Jahre nichts holt, dann brennt das Feuer», urteilte Nationalspieler Thomas Müller.
Der knallharte Alltag allerdings hat noch gar nicht begonnen. Vor den drei englischen Wochen am Stück muss sich die Elf von Trainer-Oldie Jupp Heynckes wirklich bewähren. «Am Mittwoch geht's richtig los gegen Valencia», meinte auch Kapitän Philipp Lahm. Das Champions-League-Duell mit der spanischen Top-Mannschaft werde ein «richtiger Test». Und ist damit auch allemal mehr wert als die spielerisch gute Vorstellung gegen ängstliche Mainzer am Samstag.
So standen am Wochenende vor allem zwei Erkenntnisse im Vordergrund. Einerseits, dass die Bayern relativ mühelos ihr kurzfristig ausgefallenes Filigran-Duo Ribéry/Robben (jeweils leichte Muskelbeschwerden) ersetzen konnten; andererseits, dass sich Martínez immer besser ins Team integriert. Wie schon beim 6:1 gegen Stuttgart vor zwei Wochen durfte der 24-Jährige nur in der letzten Viertelstunde ran - in diesen Minuten überzeugte Martínez aber mit enormer Ball- und Passsicherheit.
«Er hat wunderbare Doppelpässe gespielt. Da hat man schon gesehen, dass er kicken kann», erkannte Heynckes. Bemerkenswert war gegen Mainz darüber hinaus der platzierte Heber von Martínez auf Toni Kroos in der Nachspielzeit. Der deutsche Nationalspieler ließ den frühen Auftakttoren von Mario Mandzukic (2. Minute) und Schweinsteiger (13.) sowie dem Mainzer Elfmeter-Anschlusstreffer von Adam Szalai (59.) noch volley den standesgemäßen dritten Münchner Treffer folgen. «Wir hatten kurz Augenkontakt, mit seiner Klasse hat er das gesehen», lobte Kroos.
Auch Vizekäpt'n Schweinsteiger, mit dem Martínez künftig das neue Vorzeige-Paar im defensiven Mittelfeld abgeben soll, sieht die Entwicklung des Neuzugangs positiv. «Er hat sich sehr gut eingegliedert, er macht Fortschritte. Als er reinkam, hat man gemerkt: Er fühlt sich sicherer und ist fitter geworden in den letzten zwei Wochen», bekannte der bayerische Mittelfeldchef.
Unwahrscheinlich ist allerdings, dass Heynckes im bis dato bedeutendsten Spiel gegen Valencia schon auf Martínez und Schweinsteiger im Zusammenspiel setzen wird. Zu ordentlich waren die Leistungen von Luiz Gustavo auf der «Sechs» neben Schweinsteiger - und als zu groß schätzt Heynckes noch das Risiko an, Martínez über 90 Minuten spielen zu lassen. Immerhin trainierte der Defensivstratege bei seinem vorherigen Club Athletic Bilbao wochenlang nicht mit der Mannschaft, sondern wegen des Transferhickhacks nur individuell.
«Allmählich fühle ich mich besser. Die ersten Trainingseinheiten waren für mich wie eine Minivorsaison», meinte Martínez. «Ich komme langsam in Form und fühle mich mehr in die Mannschaft integriert.» Wann er sich endlich einen Stammplatz erkämpfen wird? «Ich weiß es nicht», meinte Martínez schüchtern - so richtig lange dürfte er sich aber kaum noch gedulden müssen. Was eigentlich ein bisschen schade wäre angesichts seiner Jokerqualitäten, befand Torwart Manuel Neuer mit einem Schmunzeln.
dpa
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