Dienstag, 8. Februar 2005 / 09:20 Uhr
Düsseldorf - «Mach et, Otze» - diese drei Worte haben Erich Rutemöller in der deutschen Fußball-Szene berühmt gemacht.
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Als Trainer des 1. FC Köln hatte er 1991 im Pokal-Halbfinale gegen den MSV Duisburg seinen Stürmer Frank Ordenewitz dazu ermuntert, sich eine gelb-rote Karte einzuhandeln, um einer Gelb-Sperre im Pokal-Endspiel zu entgehen. Und weil der am 8. Februar 60 Jahre werdende Coach dies Sekunden nach dem Spielende in der spontanen Siegesfreude auch öffentlich im TV-Interview gestanden hatte, sah sich der DFB-Kontrollausschuss mit Chefankläger Hans Kindermann zum Handeln gezwungen.
Erich Ruthemöller bei der Präsentation des EM-Aufgebotes 2004.
Knapp 14 Jahre später kann Rutemöller, der aus seinem runden Geburtstag kein Brimborium machen will, über den Aufreger nur noch schmunzeln. «Kindermann hat damals völlig durchgedreht, und mir kam meine Ehrlichkeit teuer zu stehen», erzählt der zum Trainerstab der Nationalmannschaft zählende Westfale. 5000 Mark musste er «aus meiner eigenen Kasse» bezahlen. Und Ordenwitz durfte seine Sperre nicht regelgerecht in der Bundesliga absitzen, sondern war im letztlich verlorenen Pokalfinale gegen Werder Bremen gesperrt: «Das war das Einzige, was mir wirklich weh getan hat.»
Die Vorfälle von damals waren mit ein Grund, warum sich Rutemöller nach seiner Entlassung in Köln und einem Kurzgastspiel bei Hansa Rostock frühzeitig aus der Bundesliga zurückzog. «Ich glaube nicht, dass ich mich in diesem Haifischbecken auf Dauer durchgesetzt und wohlgefühlt hätte», sagt er: «Das war nicht meine Welt.»
Die fand er 1994 mit seinem Wechsel zum Deutschen Fußball-Bund (DFB). Zunächst als Junioren-Trainer, seit fünf Jahren auch als Chef der Trainerausbildung fühlt sich Rutemöller rundum wohl. «Es ist eine Aufgabe, die mich absolut befriedigt.» An der Sporthochschule Köln leitet er die Lehrgänge zum Erwerb der Trainerlizenz, und als Coach des noch existierenden «Team 2006» bleibt er in der Praxis.
Viele neue Erfahrungen sammelt indes der Trainer-Lehrer nun vom Trainer-Lehrling Jürgen Klinsmann. Wie seine Vorgänger Berti Vogts, Erich Ribbeck und Rudi Völler hielt auch Klinsmann an der DFB- Tradition fest, dass Rutemöller auch zum Beraterteam der Nationalelf zählt. «Ich schätze Erich Rutemöller fachlich wie menschlich ungemein. Er ist ein ausgesprochen positiver Typ, der unserem Team gut tut», urteilte Klinsmann über den Jubilar.
Für den bleibt die große Sause zum 60. aus: «Den 40. und 50. habe ich groß gefeiert, aber diesmal habe ich keine Lust, und es passt auch nicht.» Stattdessen geht Rutemöller an seinem Jahrestag seiner Alltagsarbeit im Kreis der Nationalmannschaft nach. Beim Abschlusstraining vor dem Länderspiel-Hit gegen Argentinien wird er in der Düsseldorfer «LTU arena» das Aufwärmprogramm und die gymnastischen Übungen leiten.
dpa
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