Sonntag, 19. Juni 2005 / 13:46 Uhr
Preston - Mit einem eher harmlosen Interview hat UEFA-Präsident Lennart Johansson für Wirbel gesorgt und eine heftige Diskussion über die «Kleiderordnung» im Frauenfußball ausgelöst.
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Johansson hatte sich bei der Frauen-Europameisterschaft in England für «attraktivere Kleidung» der Spielerinnen ausgesprochen. Damit könnten mehr Sponsoren angelockt werden. «Wenn man über dieses Thema spricht, ist sicher nichts dagegen zu sagen, wenn der Dress der Frauen auch nett aussieht. Sicher wäre es manchmal schön, wenn man sehen könnte, dass es Frauen sind», sagte der 75 Jahre alte Schwede dem englischen Radiosender «BBC».
Lennart Johansson spricht auf dem Kongress der UEFA in Tallinn.
Bei der EM verbreiteten sich die Aussagen wie ein Lauffeuer und riefen Kritiker und Befürworter auf den Plan. Die schwedische Spielführerin Kristin Bengtsson, Johanssons Landsfrau, reagierte empört und erteilte dem Begehr ihres Verbandschefs eine klare Absage: «Wir sind nicht hier, um gut auszusehen, sondern um Fußball zu spielen», sagte Bengtsson der schwedischen Nachrichten-Agentur «TT».
Die deutsche Nationalspielerin Sarah Günther war ebenfalls wenig begeistert. «Wenn es schon so weit gekommen ist, dass wir uns sexier anziehen müssen, finde ich das schlecht», sagte die 22 Jahre alte Studentin vom Bundesligisten Hamburger SV. Sie findet derlei Forderungen «sexistisch» und «unmöglich»: «Ich frage mich, worum geht es eigentlich? Wir überzeugen sportlich, und das muss reichen.»
Die mit Bundesliga-Trainer Holger Fach befreundete Stürmerin Inka Grings dagegen ist «generell für körperbetonte Kleidung». Aber: «Es darf nicht knackig eng sein. Fußball ist ein Bewegungssport, bei dem man Freiraum braucht.» Gut findet sie das Outfit der Schwedinnen und Italienerinnen, die «weiblichere» Trikots tragen. «Das ist ein schöner Frauenschnitt. Da lässt sich schon was machen.»
Vor einem Jahr hatte sich der Präsident des Fußball-Weltverbandes (FIFA), Joseph Blatter, für knappere Frauenfußball-Kleidung «wie beim Volleyball» eingesetzt. Grings hat Zweifel, ob sich hinter derlei Forderungen nicht nur voyeuristische Interessen stecken. «Es gibt zu viele Männer, die nur wegen der knappen Höschen Beachvolleyball gucken.» Auch Johansson sagte in Bezug auf Blatter: «Es gibt Leute, die sind nur glücklich, wenn jeden Tag etwas über sie in der Zeitung steht. Ich denke, er meinte es damals im Scherz. Ich glaube nicht, dass er das heute wiederholen würde.»
Darüber hinaus sieht der UEFA-Boss wie viele andere in der Szene einen Markt und Absatzchancen für speziell für Frauen gefertigte Kleidung. Die Damen sollten sich an die Sportartikelhersteller wenden, meinte er, und hat schon einen Werbespot vor Augen: «Wenn eine Spielerin verschwitzt und bei Regenwetter in die Kabine geht, und dann gut aussehend wieder heraus kommt, das würde sich sicher gut verkaufen lassen», sagte Johansson.
Gerhard Mayer-Vorfelder äußerte sich sehr diplomatisch zur «K(leider)-Frage». Schlabberlook oder enge Trikots? «Das müssen die Frauen allein bestimmen, solche Vorschläge müssen aus ihrer Mitte kommen», sagte der DFB-Präsident, der nach dem WM-Titel 2003 auf Bitten der Mannschaft eine spezielle Kollektion für die deutschen Frauen vom DFB-Ausrüster (adidas) fertigen ließ. «Wenn Männer solche Vorschläge machen, wird immer hineingeheimnisst, es müsse sexy sein. Aber man muss diese Assoziation nicht haben.» Er findet auch, dass Frauen nicht unbedingt in «weiten Männer-Hemden rumlaufen» müssen. «Aber wenn die Männer das dominieren wollen, erreichen sie das Gegenteil. Das wissen wir, die verheiratet sind, schon seit langem.»
dpa
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