Sonntag, 18. Mai 2008 / 16:51 Uhr
Sinsheim - Der Dorfclub 1899 Hoffenheim hat den Durchmarsch in die Bundesliga geschafft und damit sein Fußball-Märchen früher als geplant verwirklicht.
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Der von Milliardär Dietmar Hopp finanzierte Zweitliga-Aufsteiger bezwang beim Saisonfinale die SpVgg Greuther Fürth mit 5:0 (1:0) und verteidigte damit den dritten Tabellenplatz. Nach dem Triumph brachen alle Dämme: Spieler, Erfolgs- Trainer Ralf Rangnick, der Mäzen und die Fans jubelten. Das Bier floss schon auf dem Platz in Strömen, ehe es dann zum Feiern in die Messe Sinsheim ging. «Ich bin glücklich», sagte Hopp tief bewegt mit heiserer Stimme. «Wir haben gezeigt, dass wir in die erste Liga gehören», meinte Mannschaftskapitän Per Nilsson.
Demba Ba brachte die Hausherren in Führung (39. Minute). Sejad Salihivic erhöhte mit einem sicher verwandelten, aber umstrittenen Foulelfmeter auf 2:0 (69.). Chinedu Obasi mit einem Doppelpack (77./85./Elfmeter) sowie Salihovic mit seinem zweiten Treffer (82.) machten das Fußball-Festival gegen die am Schluss einbrechenden Franken perfekt. «Ich hätte nicht geglaubt, dass es so schnell mit dem Aufstieg klappt», sagte Francisco Copado. «Wir haben alle Menschen in der Region glücklich gemacht.» Tobias Weis urteilte: «Das haben wir uns verdient. Wir haben nie gezweifelt. Das 5:0 sagt alles.»
Rangnick reagierte einige Minuten nach dem Schlusspfiff wieder ruhig, räumte aber ein, dass er nach der 3:0-Führung von «Gefühlen überwältigt» gewesen sei. In der Bundesliga gehe es darum, dass sich sein Team möglichst schnell akklimatisiert. Der 49 Jahre alte Schwabe, der schon den VfB Stuttgart, Schalke 04 und Hannover 96 im Oberhaus betreut hatte, nahm den Durchmarsch aus der Regionalliga selbst etwas überrascht zur Kenntnis, da ursprünglich ein Fünfjahresplan für die Erstklassigkeit vorgesehen war.
Hoffenheim bestimmte die Partie vor 6350 Zuschauern im ausverkauften Hopp-Stadion von Beginn an und überzeugte erneut durch technisch versiertes Spiel. Allerdings vergab das Rangnick-Team zunächst ein halbes Dutzend Chancen. Pech hatte dabei Weis mit einem Schuss an den Pfosten (4.). Beinahe hätte sich dies gerächt, aber 1899-Schlussmann Ramazan Özcan konnte im letzten Moment vor dem anstürmenden Bernd Nehrig einen Rückstand verhindern (22.). Das permanente Anrennen des Neulings wurde noch vor der Pause belohnt: Nach präziser Hereingabe von Copado scheiterte Demba Ba zunächst an Fürths Torhüter Sascha Kirschstein, konnte aber den Abpraller zum 1:0 vollenden.
Im zweiten Durchgang ließ es Hoffenheim zunächst etwas langsamer angehen, so dass die Franken stärker aufkamen. 1899 legte dann jedoch wieder einen Gang zu und bestimmte das Geschehen. Allerdings hatte der Club großes Glück, dass Schiedsrichter Michael Weiner nach einem harmlosen Rempler von Stephan Schröck gegen Copado auf Strafstoß entschied. Salihovic nahm dieses Geschenk dankend an und verwandelte souverän. Chinedu Obasi machte den Aufstieg mit dem 3:0 endgültig perfekt. Nach einem erneuten Querpass von Copado musste er den Ball nur noch über die Linie schieben. Danach war der letzte Widerstand der Gäste gebrochen, was der Dorfclub zu einem Kantersieg nutzte.
Hopp, der nach jedem Treffer Freunde per SMS informierte, kündigte «drei bis maximal vier» Neuverpflichtungen an. Kritikern, die Hoffenheim als nicht bundesliga-würdig bezeichneten, empfahl der ehemalige Top-Manager: «Alle sollten unseren Aufstieg akzeptieren.» Ministerpräsident Günther Oettinger gratulierte dem neuen baden- württembergischen Bundesligisten: «Die Mannschaft hat eine starke Saison gespielt. In überzeugender Manier hat sie den direkten Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga geschafft.»
dpa
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