FussballEURO 2008 → Spielbericht

Schweiz schon ausgeschieden - 1:2 gegen die Türkei

Basel - In der «Wasserschlacht» von Basel hat Arda Turan den EM-K.o. von Gastgeber Schweiz besiegelt und den Türken mit dem 2:1 (0:1)-Sieg die Hoffnung auf den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft erhalten.

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Mit seinem Tor in der dritten Minute der Nachspielzeit machte der Angreifer von Galatasaray den Erfolg der Türken perfekt. Bei zeitweise sintflutartigem Regen hatten die Eidgenossen vor 40 000 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park durch einen Treffer von Hakan Yakin (32.) geführt. Dem eingewechselten Semih (57.) gelang der Ausgleich für die Türken, durch deren Erfolg Portugal vorzeitig als Viertelfinalist feststeht.

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Der eingewechselte Semih rutscht nach seinem Ausgleichstor ein paar Meter.

Während die Schweizer Trauer tragen, kann die Türkei mit einem Sieg gegen Tschechien zum zweiten Mal nach 2000 den Sprung in die K.o.-Runde einer EM schaffen. Trennen sich die beiden punkt- und torgleichen Mannschaften in Genf unentschieden, muss ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen.

«Ich denke, dass unser Sieg verdient war und er tut sehr, sehr gut. Wir haben nur Endspiele gehabt in letzter Zeit. Anscheinend brauchen wir diesen Druck», sagte der Münchner Hamit Altintop, der wie schon zum Turnierstart auf der ungeliebten Position des rechten Außenverteidigers spielen musste. Am Boden zerstört war dagegen Eren Derdyiok, der die Schweizer Führung eingeleitet hatte: «Aus zwei Halbchancen haben wir zwei Tore bekommen, das ist natürlich ganz bitter. Die Chancen zum 2:0 haben wir leider nicht genutzt.»

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Der Schweizer Trainer Jakob Kuhn nahm seine Mannschaft in Schutz: «Es ist eine sehr, sehr große Enttäuschung. Wir hatten nach dem Ausgleich die Chance zum 2:1. Wir haben sie nicht genutzt. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles gegeben. Wir waren nicht gerade vom Glück begünstigt. Für die Mannschaft gibt es keinen Tadel. Wir werden das Turnier mit Anstand gegen Portugal nach Hause bringen. Das ist Fußball. Die Schweiz wird bestehen bleiben, trotz des Ausscheidens der Nationalmannschaft.» Sein türkischer Kollege Fatih Terim führte den Sieg dagegen auf den Wetterumschwung nach der Halbzeit zurück: «In der Pause habe ich schon ein bisschen gebetet, dass der Regen aufhören würde. Ich dachte zwar vor dem Spiel, dass uns ein bisschen Regen helfen könnte, doch dass wir bis auf die Haut durchnässt werden würden, war nicht zu erwarten. Wir mussten unsere Taktik den neuen Verhältnissen anpassen.»

Bei Platzverhältnissen, die Erinnerungen an das im April abgebrochene Bundesliga-Spiel 1. FC Nürnberg - VfL Wolfsburg weckten, waren im Duell der EM-Fehlstarter vor allem kämpferische Qualitäten gefragt. Die warfen zunächst die Schweizer mit Erfolg in die Waagschale, wenngleich beim Führungstor auch viel Glück im Spiel war. Nach einer Hereingabe des knapp 20-jährigen Derdiyok, der anstelle des an der Leiste verletzten Marco Streller in die Startelf gerückt war, blieb der Ball vor der Torlinie in einer Pfütze liegen. Yakin hatte in seinem 68. Länderspiel keine Mühe zu vollenden.

Zweieinhalb Jahre nach der «Schande von Istanbul» waren die Fans beider Seiten um ein friedliches Miteinander bemüht. «Schweiz-Türkei - Fußball verbindet» war auf einem großen Transparent zu lesen. Am 16. November 2005 waren die Türken nicht so freundlich mit den Eidgenossen umgegangen. Nach dem 4:2 im WM-Qualifikationsspiel hatten sich hässliche Prügelszenen in den Katakomben des Sükrü Saracoglu Stadions abgespielt, wobei vor allem Schweizer die Opfer waren.

In die Rubrik denkwürdig gehörte auch die Neuauflage. Ein heftiger Platzregen machte einen kontrollierten Spielaufbau nahezu unmöglich. Der durchtränkte Rasen öffnete dem Zufall Tür und Tor. In der 19. Minute versuchte Gökhan Inler sein Glück aus 30 Metern und stellte den türkischen Keeper Volkan damit vor Probleme. Danach demonstrierte der Schlussmann von Fenerbahce Istanbul aber zweimal seine Klasse. Zunächst parierte er einen Schuss von Yakin aus spitzem Winkel (23.), dann drehte er einen gefährlichen Freistoß des Leverkuseners Tranquillo Barnetta reaktionsschnell um den Pfosten (25.).

Vier Tage nach der Start-Niederlage gegen Portugal steckten die Türken den Ausfall ihres an der Wade verletzten Kapitäns Emre Belözoglu gut weg und kämpften sich nach der Pause in die Partie zurück. Mit der Einwechslung von Semih als zweite Spitze neben Nihat bewies Trainer Fatih Terim eine glückliche Hand. Als der Stuttgarter Bundesliga-Profi Ludovic Magnin zwölf Minuten nach Wiederbeginn bei einer Nihat-Flanke nicht eingriff, stieg Semih hoch und überwand Diego Benaglio im Schweizer Tor per Kopf. Danach sahen die Fans einen offenen Schlagabtausch, in dem die Türken die besseren Chancen auf den Sieg besaßen. In der 73. verfehlte Nihat das 2:1 nur denkbar knapp, auf der Gegenseite vereitelte Volkan gegen Yakin (84.) den ersten EM-Erfolg der Eidgenossen, ehe Arda den Schlusspunkt setzte.

dpa

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