FussballEURO 2008 → Spielbericht

Spanien siegt im Elfmeterschießen gegen Italien

Wien - Dank «Teufelskerl» Iker Casillas hat Ex-Europameister Spanien im Elfmeterschießen den Italien-Fluch besiegt, sein Viertelfinal-Trauma überwunden und König Juan Carlos glücklich gemacht.

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Zum ersten Mal seit 88 Jahren blieb die «Seleccion» in einem Pflichtspiel siegreich über den Weltmeister und zog nach fünf vergeblichen Anläufen ins Halbfinale einer Fußball-EM ein. Nach tor- und teilweise trostlosen 120 Minuten gewannen die Spanier vor 51 428 Zuschauern im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion mit 4:2 (0:0) im Elfmeterschießen gegen die «Squadra Azzurra».

Übersprungen

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Fabio Grosso (oben) springt über den am Boden liegenden David Villa.

Nach dem Spiel eilte König Juan Carlos höchstpersönlich in die Kabine. «Danke, dass das geklappt hat», sagte der Monarch laut Casillas. Der Keeper von Real Madrid war der eigentliche Held des Abends: Er parierte in seinem 80. Länderspiel die Elfmeter von Daniele de Rossi sowie Antoni di Natale, wurde zum «Man of the Match» gekürt und löste in Spaniens Hauptstadt eine nicht enden wollende Fiesta aus. «So lange ist unsere Mannschaft nicht über das Viertelfinale hinausgekommen. Das ist jetzt ein ganz wichtiger Moment. Wir sind glücklich», sagte der Keeper. «Schließlich hat der Fußball Gerechtigkeit walten lassen», ergänzte Cesc Fabregas.

In dem über weite Strecken niveauarmen Spiel blieb auch der deutsche Schiedsrichter Herbert Fandel nicht ganz fehlerfrei: Der Kyllburger verabschiedete sich mit einer eher mäßigen Leistung von den Titelkämpfen. In der Vorschlussrunde kommt es nun zur Neuauflage des Gruppenspiels der Spanier von Trainer Luis Aragones gegen Russland (4:1) am Donnerstag erneut in Wien. Während die Spanier damit erstmals seit dem Finale von 1984 wieder in die Runde der besten Vier einzogen, ist für den viel zu passiven Weltmeister aus Italien die EM zu Ende. «Es tut mir leid für die Jungs, ich habe sie getröstet und ihnen gesagt: Seid stolz auf das, was ihr geleistet habt», sagte Trainer Roberto Donadoni: «Nun beginnt eine andere Zeit. Ich kann keinem Spieler etwas vorwerfen.»

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Der Respekt der beiden europäischen Vereins-Fußballmächte war von der ersten Sekunde an spürbar. Die Spanier - mit derselben Startformation, die das frühzeitige Weiterkommen in die Runde der besten Acht perfekt gemacht hatte - versuchten es mit ihrem typischen Kurzpassspiel. Allerdings meist in die Breite, oft nach Hinten, selten in die Spitze. Italien, das auf den an allen Ecken und Ende fehlenden und nach der Partie weinenden Kreativ-Kopf Andrea Pirlo ebenso wegen einer Gelbsperre verzichten musste wie auf Kampf-Kraft Gennaro Gattuso, zog sich in die eigene Hälfte zurück und wartete ab. Selbst in Ballbesitz wirkten die ganz in Weiß gekleideten Spieler der «Squadra Azzurra» mehr als zurückhaltend. Devise: Bloß kein Risiko.

Fast folgerichtig blieben Torchancen so gut wie Mangelware. Luca «Torlos» Toni kam bei biederen Angriffsbemühungen der Italiener erst gar nicht ins Spiel. Ein Kopfball in der 36. Minute, bei dem der Bayern-Torjäger statt ins Tor nur Spaniens Carlos Marchena traf, war alles. Zuvor hatte Casillas ebenfalls nach einem Kopfball von Simone Perrotta das einzige Mal eingreifen müssen.

Doch auch die Spanier von Coach Luis Aragonés, mit der Empfehlung von acht Treffern ins Viertelfinale eingezogen, bekamen ihre Tormaschinerie nicht ins Laufen. Der mit vier Treffern bis dato beste EM-Schütze David «Miravilla» Villa versuchte es mit einem Freistoß (25.), Italiens Gianluigi Buffon hielt den Ball aber sicher fest. Der mehrmalige Welttorhüter war auch beim ersten Distanz-Schuss des engagierten David Silva zur Stelle (32.), bei dessen zweitem Versuch (38.), der nur um Zentimeter am Pfosten vorbeiging, wäre Buffon machtlos gewesen. Kurz vor der Pause konnten sich die ganz im Stile des italienischen Catenaccio agierenden «Azzurri» bei Fandel bedanken. Die Pfeife des Musikschulleiters blieb stumm, als Fabio Grosso Zentimeter vor dem Strafraum den quirligen Silva klar foulte.

Wer gehofft hatte, die Partie würde nach dem Wechsel besser, der sah sich getäuscht. Aus der Lethargie versuchten die beiden Trainer ihre Teams nach knapp einer Stunde durch Auswechslungen zu wecken. Aragonés brachte Cesc Fabregas und Santi Cazorla, Kollege Donadoni Mauro Camoranesi. Und dem Mann von Juventus Turin wäre Sekunden nach seiner Einwechslung beinahe der Führungstreffer gelungen - Casillas konnte in der ersten gefährlichen Situation der zweiten Hälfte aber klären. Sein Pendant stand dann neun Minuten vor dem regulären Ende im Mittelpunkt: Einen Schuss von Marcos Senna ließ Buffon unterm Körper durchrutschen. Der Pfosten rettete die Italiener in die Verlängerung, in der erneut Silva eine Top-Chance vergab (93.). Anschließend scheiterte Natale an Casillas (95.) - so wie anschließend auch beim Elfmeterschießen.

dpa

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