Sonntag, 15. August 2004 / 09:15 Uhr
München - Neuer Trainer, alte Probleme: Auch unter Felix Magath ist der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München dem eigenen Publikum eine titelreife Vorstellung schuldig geblieben.
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Mit dem dürftigen 1:1 (0:1) gegen Hertha BSC weckte der «Möchtegern-Meister» Erinnerungen an die schwachen Heimspiele der Vergangenheit und ließ Magaths Einstand im Olympiastadion zum Reinfall werden. «Ich hätte mir meine Heimpremiere schöner vorgestellt», stellte der Chefcoach nüchtern fest. Seinen Stars las er wegen einer völlig verunglückten ersten Halbzeit die Leviten: «Das war kein Fußball. Kein Mut, kein Wille, ein Tor zu machen. Sie wollten es vielleicht zu gut machen, konnten es aber nicht.»
Eine Leistungssteigerung nach der Pause, ein glänzend aufgelegter Mehmet Scholl als unermüdlicher Antreiber und Roy Makaay, der in der 47. Minute Berlins Führung durch Marcelinho (15.) ausglich, bewahrten Magath zumindest vor einem ähnlichen Schicksal wie einst Franz Beckenbauer. Dieser hatte bei seinem Heimdebüt als Bayern-Trainer am 13. Februar 1994 eine 1:3-Pleite gegen den VfB Stuttgart kassiert. «Gerne wäre ich mit einem Sieg nach Hause gegangen», gab der 50-jährige Nachfolger von Ottmar Hitzfeld zu. «Aber ich bin froh, dass wir uns nach der schlechten ersten Halbzeit nicht ergeben und uns gewehrt haben», meinte Magath.
So verhinderten die nach der Pause druckvollen, aber einfallslosen Bayern Herthas ersten Sieg seit 27 Jahren in München. Die von Magath als «wacher und aktiver» bewerteten Berliner waren mit dem ersten Punktgewinn seit fünf Jahren im Olympiastadion zufrieden. «Nach den verlorenen Punkten vor einer Woche gegen Bochum ist die Mannschaft eindrucksvoll zurückgekehrt und mit einem Punkt für die leidenschaftliche Abwehrleistung belohnt worden», sagte Trainer Falko Götz, dessen Offensivkräfte mit dem starken Marcelinho an der Spitze die Magath-Elf 45 Minuten regelrecht aus dem Spiel nahmen. «Wir haben keine Fehler gemacht, deshalb hat sich Bayern im Aufbau schwer getan», analysierte Manager Dieter Hoeneß.
Die «katastrophale erste Halbzeit» (Makaay), eine schlechte Abstimmung in der Abwehr und der von Magath als großes Manko angemahnte Fakt, dass «die Bereitschaft, sich zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen, fehlte», gab den Münchnern zu denken. «Es fehlt noch Einiges», stellte Hasan Salihamidzic fest.
Magaths Versuch, mit vier offensiven Mittelfeldspielern seine Philosophie vom schnellen und attraktiven Fußball umzusetzen, schlug fehl. «Wir haben Probleme, auf das umzuschalten, was der Trainer verlangt», räumte Scholl ein, der mit einer hervorragenden Leistung seine zu eigensinnig agierenden Mittelfeldpartner Sebastian Deisler, Michael Ballack und Zé Roberto klar in den Schatten stellte.
Die Behauptung von Salihamidzic, mit Scholl sei der FC Bayern eine Klasse stärker, fand gegen Hertha zwar keine Bestätigung, doch der durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfene Publikumsliebling präsentierte sich bei seinem ersten 90-Minuten-Auftritt seit Monaten vor den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in bestechender Form. «Mehmet hat ein sehr gutes Spiel gemacht und Akzente gesetzt», lobte ihn Magath. Das starke Comeback des 33-Jährigen konnte ihn aber nicht über das missglückte Heimdebüt hinwegtrösten.
dpa
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