Sonntag, 26. August 2007 / 10:09 Uhr
Bielefeld - Das 2:0 (0:0) gegen Hertha BSC war Balsam auf die Wunden der Ostwestfalen. Mit dem besten Saisonstart seit Einführung der Drei-Punkte-Regel etablieren sich die Fußballer von Arminia Bielefeld als Verfolger der Bundesliga-Künstler des FC Bayern München.
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Der Lernprozess war schmerzhaft, der Höhenflug ist erstaunlich. Ein kollektiver Drei-Minuten-Blackout gegen Frankfurt vor Wochenfrist hatte die Bielefelder noch zwei Punkte gekostet hatte. «Das war eine bittere Erfahrung. Heute haben wir gesagt: nicht schon wieder», sagte Arminia-Verteidiger Oliver Kirch.
Der Bielefelder Eigler (r) wird von den Berlinern Fathi (l) und Grahn gestoppt.
Noch nie hatten die Bielefelder nach drei Erstliga-Spieltagen sieben Zähler, Torjäger Artur Wichniarek liegt zudem bei drei Treffern gleichauf mit Italiens Weltmeister und Bayern- Millioneneinkauf Luca Toni. «Wir haben sieben Punkte, und die kann uns keiner mehr nehmen», nannte Arminia-Kapitän Mathias Hain den für ihn wesentlichen Fakt. Nur ein Zähler war es nach dem dritten Spieltag der Vorsaison, als in Bielefeld drei Cheftrainer - Thomas von Heesen, Frank Geideck und Ernst Middendorp - tätig waren und der Klassenverbleib eine Zitterpartie bis zum Schluss war.
Das war auch das Spiel gegen die personell umstrukturierten Berliner. 1:0 führte Bielefeld von der 52. Minute an, weil Hertha durch einen im Liegen gespielten Rückpass von Routinier Josip Simunic auf Keeper Jaroslav Drobny das erste Geschenk verteilte. Radim Kucera trickste aus 5,50 m Entfernung die Mauer aus Berliner Leibern aus, der eingewechselte Ioannis Masmanidis vollendete. «Wir haben durch zwei dumme Gegentore verloren», schimpfte Herthas Nationalspieler Malik Fathi auf sich und seine Mitspieler - in erster Linie aber auf sich. Denn sein Kopfball-Rückspiel zu Drobny, der schon aus seinem Gehäuse geeilt war, ermöglichte dem ehemaligen Berliner Wichniarek vor 20 300 Zuschauern die Entscheidung zum 2:0 (90.).
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«Das war ein Missverständnis», versuchte Fathi eine Rechtfertigung. Simunic, der nach Ablauf seiner Rot-Sperre wieder in die Innenverteidigung gerückt war, verweigerte einen Kommentar. Sein neuer Coach Lucien Favre fügte sich in das Unvermeidliche, obwohl seine Elf vor dem Wechsel spielerisch klar überlegen war. «Solche Niederlagen musst du akzeptieren, auch wenn ich es nicht gern tue. Aber ich kann es nicht ändern» - dem Schweizer fiel es schwer, die Fehlerhaftigkeit seiner Profis hinzunehmen. Öffentlich rügen wollte er Simunic und Fathi aber nicht: «So etwas bleibt unter uns.»
Hertha-Neukonstrukteur Favre hat viel vor. Im ZDF-Sportstudio ließ er wissen, dass er ein Team aufbauen will, «das um den Titel mitspielen kann. Aber das braucht Zeit». Sein Gegenüber Middendorp musste nach der gefühlten Niederlage gegen Frankfurt eine Politik der kleinen Schritte betreiben: «Heute ging es erst einmal darum, über die Arbeit ins Spiel zu kommen und sicher zu werden.» Sechs bis sieben Begegnungen müsse er noch abwarten, um zu wissen, wo die Arminia wirklich stehe. Eines hat sein Team schnell gelernt: «Wir sind bis zur letzten Sekunde wach geblieben», sagte Oliver Kirch. Die Frankfurter Lehren taten weh, den Beweis, lernwillig zu sein, haben die Bielefelder erbracht.
dpa
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