Samstag, 10. November 2007 / 18:45 Uhr
Stuttgart - Ausgerechnet der schwächelnde deutsche Fußball-Meister VfB Stuttgart hat dem Titelfavoriten FC Bayern München eine bittere Lektion und die erste Niederlage in dieser Bundesliga-Saison beigebracht.
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Die Schwaben demütigten den Tabellenführer beim 3:1 (3:0)-Sieg geradezu. Nationalstürmer Mario Gomez (10. und 42. Minute) mit seinem sechsten und siebten Saisontor sowie Yildiray Bastürk (30.) mit seinem ersten Treffer überhaupt für den VfB glänzten vor 55 000 Zuschauern im ausverkauften Daimlerstadion. Luca Toni verkürzte nur noch auf 1:3 (86.). Bayerns Abwehrchef Lucio sah wegen eines Ellbogenchecks gegen Ludovic Magnin in der 70. Minute die Rote Karte.
Der Stuttgarter Yildiray Bastürk freut sich über sein Tor zum 2:0 gegen München.
«In der Abwehr waren wir unorganisiert und im Angriff inexistent», schimpfte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. «Wir wollten nur mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen. Ich verstehe nicht, dass wir so passiv in die Zweikämpfe gegangen sind.» Sein Torwart Oliver Kahn sah seine Kollegen bis zur Halbzeitpause gar «lethargisch».
Stuttgarts Trainer Armin Veh sagte, dass seine Elf «ein sehr gutes Spiel und im entscheidenden Moment die Tore gemacht» habe. «Wir wollten aggressiv ins Spiel gehen und früh pressen. Das haben wir gut hinbekommen.» Außenverteidiger Magnin hatte in der ersten Hälfte «die beste VfB-Mannschaft seit ewigen Zeiten» gesehen. «Bayern ist eine Weltklasse-Mannschaft mit Weltklasse-Spielern. Wir haben sie als Mannschaft geschlagen. Das ist die Möglichkeit, sie zu bezwingen.»
Während die Stuttgarter den dritten Sieg hintereinander in der ersten Liga feierten und das Aus in der Champions League wenigstens für einen Tag vergessen ließen, durften die Münchner ihre Spitzenposition behalten: Verfolger Hamburger SV (1:1 bei Schalke 04) nutzte die Gunst der Stunde nicht.
«Das ist fast noch schlimmer als im April», hatte Franz Beckenbauer schon zur Halbzeit im TV-Sender Premiere gewettert. Beim 0:2 am 21. April in Stuttgart hatten die Münchner letztmals auswärts in der Bundesliga verloren. Manager Uli Hoeneß saß zur Pause auf der Bayernbank und putzte sich die Brille, als könne er seinen Augen nicht trauen. «Es fehlt an allem. Das ist ein Rückfall in alte Zeiten», meinte derweil der «Kaiser».
Nach der Kritik des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge rotierte Trainer Hitzfeld weiter und stellte die vermeintlich stärkste Mannschaft auf - ohne Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Mark van Bommel. Bei den Bayern zeigte sich schnell, dass die zuletzt drei Unentschieden in der Bundesliga und im UEFA-Cup kein Zufall waren: Statt «ein Zeichen zu setzen», wie es Hitzfeld gefordert hatte, ließen es die Gäste zu, dass der VfB mit seinem kompromisslosen Spiel früh zum Erfolg kam. Eine Flanke von Magnin segelte durch den Münchner Fünfmeterraum und Gomez nahm dankend an: Der Torjäger bugsierte den Ball mit dem Bauch über die Linie.
Nach nur einer halben Stunde hatte der Rekordmeister halb so viele Gegentore bekommen wie bisher in der gesamten Saison: Bei einem Konter legte Roberto Hilbert dem Mittelfeldstrategen Bastürk das Leder vor und der Neuzugang von Hertha BSC zirkelte ihn wunderschön ins Netz. Im zweiten Durchgang wurde der türkische Nationalspieler aber wegen einer Oberschenkelprellung durch Sami Khedira ersetzt.
Bevor abermals Gomez nach Vorarbeit von Hilbert auf 3:0 erhöhte, hatte der VfB Riesenglück: Ein Tor von Weltmeister Luca Toni gab Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) nicht, weil sich der Italiener angeblich beim starken VfB-Kapitän Fernando Meira aufgestützt hatte (32.). Und Toni Kroos wurde bei einem Pfostenschuss fälschlicherweise wegen Abseits zurückgepfiffen (36.). Als einziger Bayern-Profi wehrte sich Toni ernsthaft gegen die Pleite und traf nach einem Pfostenschuss des eingewechselten Klose doch noch.
dpa
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