Fussball1. Bundesliga → Spielbericht

Schaaf wütet in Berlin - Ärger um Ball, Referee und Charisteas

Berlin - Der sonst so besonnene Thomas Schaaf wütete laut gegen den Referee, die Meisterspieler beschwerten sich über einen «Flummi» als Spielgerät - und Torschütze Angelos Charisteas verschwand frustriert.

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Ein Last-Minute-Treffer von Herthas Alexander Madlung zum 1:1 hat Werder Bremen zumindest für einige Stunden aus dem Gleichgewicht gebracht. «Wenn man sieht, wie man als Trainer behandelt wird, da habe ich keinen Bedarf mehr, mich mit dem Schiedsrichter auseinander zu setzten», moserte Schaaf, der sich vor allem über die von Hermann Albrecht gewährte zusätzliche Nachspielzeit und dessen abweisende Art erregte. Eine Bonusminute hatte der Unparteiische angezeigt, aber erst nach zwei Nachspielminuten köpfte Madlung den Ausgleich.

Hertha BSC - Werder Bremen

Kopfballduell zwischen Simunic (l) von Hertha BSC und Klose von Werder Bremen.

«Was mich wahnsinnig ärgert ist, dass man der Willkür des Schiedsrichters ausgesetzt ist, dass er das Spiel so lange laufen lässt, wie er möchte», schimpfte Schaaf, der unmittelbar nach dem Schlusspfiff den Referee zur Rede stellen wollte. Doch Albrecht winkte nur ab und erklärte erst später: «In der einen Nachspielminute gab es eine entsprechende Spielverzögerung durch den Spieler Stalteri.» Und so ließ er durch Marcelinho noch jenen Eckball ausführen, der Bremen nach dem späten 1:0 durch den eingewechselten Charisteas (80.) zwei schon gewonnen geglaubte Punkte kostete. «Die Zeit war zwar sicher um. Aber die Art der Diskussion bringt uns nicht weiter. Egal ob 3, 4 oder 10 Minuten Nachspielzeit, wir müssen bei dem Eckball besser vorbereitet sein», ordnete zumindest Werders Sportdirektor Klaus Allofs die Aufreger als «Randthemen» ein.

Seine Spieler hatten sich zuvor in verschiedenen Erklärungen versucht. «Die Beine wurden immer schwerer», meinte Ivan Klasnic, in der Champions League noch der strahlende Siegmacher. «Der war wie ein Gummiball, ein Flummi, nicht zu kontrollieren», bemängelte Valérien Ismael den von Hertha erstmals eingesetzten gelb-blauen Spielball «Nike Total 90 Aerow Hi-Vis». Dabei waren die entscheidenden Mängel auf beiden Seiten hausgemacht. Die im siebten Spiel innerhalb von drei Wochen müde wirkenden Bremer wollten im Spargang den Anschluss zur Bundesliga-Spitze verkürzen und ließen jede Kreativität vermissen. Eine vorsichtige Hertha ging gegen den Angstgegner nach fünf schmerzvollen Niederlagen nacheinander erst spät ein größeres Risiko. So waren Torszenen äußerst rar vor 47 411 Fans.

«Das war das schlechteste Spiel der Saison. Wir haben uns einlullen lassen. Das betrifft beide Mannschaften», fasste Herthas Niko Kovac das Geschehen treffend zusammen. Eine Hauptrolle übernahm Werder-Stürmer Charisteas, der von seinem Nationaltrainer Otto Rehhagel («Er muss mehr spielen») beobachtet wurde. Zunächst traf der über seine sportliche Situation unglückliche Europameister neun Minuten nach der Einwechslung nach Freistoß von Johan Micoud zu seinem zweiten Saisontor. Dann schlief Europameister Charisteas als Bewacher von Kopfball-«Ungeheuer» Madlung und war sichtbar sauer.

Schaaf wollte die Zuordnung offiziell nicht bestätigen, dafür outete Madlung seinen Schatten: «Charisteas ist ja körperlich nicht gerade klein, aber ich war einfach eher in der Luft», freute sich der 1,93 Meter große Verteidiger, der nicht zum ersten Mal auf den letzten Drücker Hertha vor größerem Schaden bewahrte. Berlin rutschte in der Tabelle dennoch leicht ab, Bremen kam nur ein Stückchen nach oben. Mehr hatten sich beide auch nicht verdient.

dpa

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