Sonntag, 6. November 2005 / 10:44 Uhr
Hannover - Ein Tor in letzter Sekunde hat Michael Tarnat zum Job-Retter gemacht. Schnurstracks rannten der Ex-Nationalspieler und in seinem Schlepptau die komplette Mannschaft von Hannover 96 nach dem 2:2 gegen Mainz 05 zur Trainerbank.
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Dort umarmten und feierten die Fußballprofis ihren Chef mit demonstrativer Herzlichkeit. «Wir arbeiten sehr gerne mit Ewald Lienen zusammen und wollen das noch lange tun. Der Trainer ist bei Misserfolgen das schwächste Glied, wir Spieler machen den Mist», sagte Tarnat und brach damit eine Lanze für Lienen.
Kollektive Hannoveraner Freude nach dem späten Ausgleich durch Tarnat.
Eine Niederlage hätte für den 96-Coach wahrscheinlich das sofortige Ende der Dienstzeit bedeutet. Nach dem 0:2-Rückstand durch Manuel Friedrich (31.) und Benjamin Auer (65.), als die 35 433 Zuschauern keinen Pfifferling mehr für 96 gaben, schallten wütende «Lienen raus»-Rufe durch die AWD-Arena. «Ich habe gelernt, damit zu leben. Aber für die Mannschaft ist es schwer, wenn sie dem Trainer den Job retten soll», sagte Lienen. «Die Situation ist durch unglückliche Äußerungen provoziert worden», fügte der 51-Jährige nach dem vierten sieglosen Heimspiel in Serie hinzu.
Sogar sein Kollege Jürgen Klopp, der sich nach den späten 96-Toren von Thomas Brdaric (86./Handelfmeter) und Tarnat (90.+2) wie ein Verlierer fühlte, kritisierte die aufgeheizte Atmosphäre in Hannover und sprach von «unsinnigen Dingen» im Fußball. «Es macht mehr Sinn, eine Mannschaft zu unterstützen als zu spalten», sagte der Mainzer Trainer, dessen Team im Abstiegskampf zumindest einen Punkt mitnahm. Dass Hannover derzeit unmittelbarer Tabellennachbar ist, passt der 96-Clubführung überhaupt nicht in ihr ambitioniertes und auf einen Top-Ten-Platz ausgerichtetes Konzept.
Deshalb ist der Arbeitsplatz von Lienen auch keineswegs sicher. Die zuständigen 96-Geschäftsführer Karl-Heinz Vehling und Ilja Kaenzig äußerten sich erneut widersprüchlich. Sie sind vom Willen der Gesellschafter und Geldgeber um Ex-Clubchef Martin Kind abhängig. «Es gab und gibt kein Ultimatum. Wir sind aber vom Kurs abgekommen und nicht da, wo wir hin müssen», sagte Vehling. «Lienen hat einen Vertrag bis 2007 und wird auch in Stuttgart und danach auf der Bank sitzen», versicherte Manager Kaenzig. Er fügte aber hinzu: «Wenn wir nicht die richtige Antwort finden, warum wir solche Spiele wie gegen Mainz nicht gewinnen, dann endet das in einem Crash.»
Trotz Spieler-Verpflichtungen für fast fünf Millionen Euro ist das Potenzial der 96-Mannschaft begrenzt. Das wurde auch gegen Mainz 05 deutlich. Kaenzig hält aber nichts von einer Kurskorrektur. «Wir müssen den Anspruch haben, nicht mit Duisburg, Bielefeld oder Mainz auf einer Stufe zu stehen», sagte der Schweizer. «Wir haben Probleme mit der Spielmacherposition und haben im Rahmen unserer Möglichkeiten das Beste gegeben», sagte Torschütze Tarnat. Der «gerettete» Lienen gab seinen «Rettern» zwei Tage trainingsfrei, traute dem Frieden aber nicht: «So Gott oder der Vorstand es will, werden wir uns in zwei Tagen wieder sehen.»
dpa
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Toni Schumacher (in bezug auf das Foul an Battiston): Dann zahl' ich ihm seine Jacketkronen.
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